{"id":5,"date":"2020-05-18T14:06:31","date_gmt":"2020-05-18T12:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/stage.wikimedia.de\/2020\/?post_type=themen&#038;p=5"},"modified":"2021-06-21T09:56:15","modified_gmt":"2021-06-21T07:56:15","slug":"diversitaet-in-der-wikipedia","status":"publish","type":"themen","link":"https:\/\/www.wikimedia.de\/2020\/themen\/diversitaet-in-der-wikipedia\/","title":{"rendered":"Diversit\u00e4t in der Wikipedia"},"content":{"rendered":"<div class=\"block-success-number\">\n    <div class=\"callout base-red-bg\" style=\"transform: rotate(4deg);\">\n        <div class=\"content\">\n            <!-- wp:heading {\"level\":3} -->\n<h3>60 Teilnehmer*innen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz nahmen am Netzwerktreffen FemNetz teil.<\/h3>\n<!-- \/wp:heading -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie kann die Wikipedia diverser werden? Diese Frage stand im Fokus einer Reihe von Veranstaltungen, darunter ein Edit-a-thon zum Weltfrauentag. Mit FemNetz ist zudem ein neues B\u00fcndnis angetreten, das einen Feminismus vertritt, an den alle ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBildet Banden!\u201c Unter diesem Motto trat die Initiative FemNetz zu Beginn des Jahres 2021 an. Bei einem Online-Treffen mit \u00fcber 60 Teilnehmenden aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz kam das B\u00fcndnis erstmals zusammen. In dem Netzwerk sind Einzelpersonen und Gruppen wie WomenEdit, Art+Feminism oder Who writes his_tory? vertreten, die dasselbe Ziel eint: die Wikipedia zu einem diverseren und inklusiveren Ort zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es nicht nur um den viel diskutierten Gendergap, also die Unterrepr\u00e4sentanz von Frauen sowohl in der Wikipedia als auch in den Communitys. \u201eWir wollen neue Werte etablieren, um die Zukunftsf\u00e4higkeit der Wikipedia zu gew\u00e4hrleisten\u201c, betont die Wikipedianerin Sandra Becker, die bei WomenEdit aktiv ist und zu den Initiatorinnen von FemNetz z\u00e4hlt. Dr\u00e4ngende Themen seien etwa \u201eNachhaltigkeit, der Umgang miteinander, die Frage, wie wir marginalisierten Gruppen Raum geben und uns f\u00fcr queere Themen mehr \u00f6ffnen k\u00f6nnen.\u201c Niemand soll sich ausgeschlossen f\u00fchlen, oder, wie Becker es auf den Punkt bringt: \u201eAlles, was zu mehr Wissen f\u00fchrt, ist wichtig f\u00fcr die Wikipedia.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Explizit ist FemNetz dabei offen f\u00fcr M\u00e4nner, die an den gleichen Themen interessiert sind und sich einbringen m\u00f6chten. Es geht aber darum, ein gesellschaftliches Framing aufzubrechen, in dem das generische Maskulinum selbstverst\u00e4ndlich dominiert und vorwiegend M\u00e4nner bestimmen, welche Themen f\u00fcr die Wikipedia relevant seien oder eben nicht. Gerade angehende Wikipedianerinnen w\u00fcrden oft vom harschen Ton im digitalen Raum abgeschreckt und ihre Artikel schnell wieder gel\u00f6scht, erz\u00e4hlt Becker.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass vielen Wikipedianern nur das Gesp\u00fcr daf\u00fcr fehle, was andere verletzen k\u00f6nnte \u2013 und im pers\u00f6nlichen Austausch viel Reflexion angesto\u00dfen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Edit-a-thons f\u00fcr mehr Geschlechtergerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Sichtbarkeit f\u00fcr Frauen in der Wikipedia \u2013 darum ging es 2020 auch in zwei Edit-a-thons. Begleitend zur Berlinale trafen sich engagierte Frauen und Wikipedianerinnen, um in einer zweit\u00e4gigen Schreibwerkstatt Artikel zu einer Vielzahl von Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Filmemacherinnen zu verfassen, die bislang in der Online-Enzyklop\u00e4die noch nicht ihren Platz hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem weiteren Edit-a-thon zum Weltfrauentag am 8. M\u00e4rz versammelten sich Wikipedianerinnen in M\u00fcnchen, K\u00f6ln, Berlin und Hannover, um die Wikipedia mit Biografien von Frauen mit Schwerpunkt auf ihrem Werk und Wirken zu f\u00fcllen. Bislang beschreiben nur etwa 15 Prozent der Biografien Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem um diese Schieflage ging es auch in der Folge \u201eXY ungel\u00f6st\u201c der Salonreihe \u201eABC des Freien Wissens\u201c, die Lilli Iliev f\u00fcr Wikimedia Deutschland initiiert hat. G\u00e4ste waren hier unter anderem die Publizistin Ferda Ataman (s. <em>3 Fragen an<\/em>) sowie Christel Steigenberger, langj\u00e4hrige Wikipedianerin und Trust &amp; Spezialist bei der Wikimedia Foundation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die St\u00e4rke kollektiver Autor*innenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchon vor FemNetz haben sich tolle Frauen engagiert, um mehr R\u00e4ume in der Wikipedia zu schaffen\u201c, betont die Schweizer K\u00fcnstlerin und Wikipedianerin Chris Regn, die Teil des barrierefreien Kunstraums \u201eKaskadenkondensator\u201c in Basel ist und sich bei Who writes his_tory? einbringt. Sie nennt die \u00d6sterreicherin Magdalena Reiter, die Deutsche Christina Dinar und die Schweizerin Muriel Staub, die s\u00e4mtlich eine lange Historie des Einsatzes f\u00fcr mehr Diversity im Kontext der Wikimedia-Projekte haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAll diese Frauen haben mir bewusst gemacht, was auch gut l\u00e4uft in der Wikipedia\u201c, so Regn.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei FemNetz bringt sie selbst ihre Erfahrungen aus der Schweiz ein, wo sie und Mitstreiterinnen etwa unter dem Titel \u201eLebende Meinungsbilder\u201c gezielt Menschen und Gruppen einladen, um sich dar\u00fcber auszutauschen, wie Wikipedia diverser werden k\u00f6nnte und welche \u00d6ffnung es braucht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Wichtigste ist, dass es Unterst\u00fctzung gibt, dass niemand allein schreiben muss\u201c, findet Regn. Sicher, viele verfassten ihre Texte Artikel am liebsten allein zu Hause. \u201eAber man kann auch gemeinsam am Tisch Artikel schreiben und diskutieren.\u201c So praktizieren sie es bei Who writes his_tory? \u201eUns geht es um kollektives Arbeiten, kollektive Autorschaft \u2013 das ist f\u00fcr uns die St\u00e4rke von Wikipedia.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<section id=\"block_60cc93c138fc5\" class=\"block-text-image-bg\">\n        <div class=\"bg\" style=\"background-image: url(https:\/\/www.wikimedia.de\/2020\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/06\/website-grafiken_3fragen2.png)\"><\/div>\n    <div class=\"txt\">\n        <p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<h3><strong>3 Fragen an Ferda Ataman<\/strong><\/h3>\n<h3><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/h3>\n<h3><strong><em>Welche Perspektiven fehlen Ihnen in der Wikipedia? Wo macht sich konkret bemerkbar, dass mehr Diversit\u00e4t n\u00f6tig w\u00e4re?<\/em><\/strong><\/h3>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Ein Beispiel, das ich bemerkenswert finde: Der enzyklop\u00e4dische Eintrag zum \u201eHauskaninchen\u201c ist viermal so lang wie der zum Begriff \u201eGastarbeiter\u201c. Ich w\u00fcrde behaupten, dass die sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter f\u00fcr die deutsche Gesellschaft doch mehr Bedeutung haben. Daran merkt man aber, wie die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und Interessen bei den Wikipedianerinnen und Wikipedianern sind. Die Kompetenz rund um die Themen Einwanderungsland und Einwanderungsgesellschaft scheint mir sehr einseitig ausgepr\u00e4gt zu sein. Es gibt auch viele bekannte Personen of Colour, die keinen biografischen Eintrag in der Wikipedia haben. Ein YouTube-Star wie Rezo ist zu finden, einen Tarik Tesfu sucht man vergebens, obwohl er schon eine Sendung beim NDR moderiert hat. Davon gibt es viele Beispiele.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong><em>Generationen sind mit einem Wissenskanon erzogen worden, der beispielsweise postkoloniale Perspektiven v\u00f6llig ausgeblendet hat. In der Schule wurde ihnen beigebracht, Kolumbus habe \u201eAmerika entdeckt\u201c \u2013 was heute zu Recht als imperiale Lesart von Geschichte gilt. Kann eine Enzyklop\u00e4die Prozesse eines lebenslangen Lernens abbilden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Wikipedia bildet diese Prozesse noch am besten ab. Schon dadurch, dass den Artikeln l\u00e4ngenm\u00e4\u00dfig keine Grenzen gesetzt sind, ist es m\u00f6glich, verschiedene Standpunkte und auch Kontroversen zu beschreiben \u2013 wof\u00fcr sich ja viele Beispiele finden, gerade auch jetzt in der Corona-Pandemie. Leider gl\u00fcckt Wikipedia die Abbildung strittiger Facetten oft nicht bei gesellschaftspolitischen Themen \u2013 und speziell nicht in den Bereichen, die Diversit\u00e4t betreffen.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Am Begriff \u201eIndianer\u201c zeigt sich, wo Wikipedia steht. In dem Eintrag hei\u00dft es zwar: \u201eIndianer ist eine Fremdbezeichnung durch die Kolonialisten.\u201c Den Zusatz h\u00e4tte es vor 20 Jahren vermutlich noch nicht gegeben. Trotzdem tr\u00e4gt der Eintrag nur den Titel \u201eIndianer\u201c, es ist darin die Rede von der \u201eindianischen Bev\u00f6lkerung\u201c, und erst im 10. Absatz steht, dass viele so bezeichnete Leute den Begriff ablehnen. Ein begrenzter Horizont zeigt sich f\u00fcr meine Begriffe auch daran, wie Biografien gestaltet sind. Gerade bei Menschen mit Migrationsgeschichte oder solchen, bei denen vermutet wird, sie seien keine Biodeutschen, wird sp\u00e4testens im zweiten Satz erz\u00e4hlt, woher die Eltern stammen. Ich bin Verfechterin der Auffassung, dass es wurscht ist, wo sich die Vorfahren vermehrt haben.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong><em>Wie k\u00f6nnte man in Ihren Augen diversere Communitys gewinnen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Das ist eine Herausforderung. Ich bin ja viel damit befasst, wie sich mehr Diversit\u00e4t in den Medien erreichen lie\u00dfe. Am liebsten wollen die Verantwortlichen h\u00f6ren, sie m\u00fcssten die Stellenausschreibung nur so oder so gestalten, dann erg\u00e4be sich Diversit\u00e4t von selbst. Aber tats\u00e4chlich n\u00f6tig ist ein Kulturwandel in den Organisationen. Und das ist ein langer Prozess. Ein erster Schritt ist, die Botschaft auszusenden \u2013 wir wollen diverser werden. Es ist nicht schwer, Menschen anzusprechen. Aber dann braucht es das Verm\u00f6gen, andere Perspektiven auch wirklich auszuhalten. Das kann Arbeit bedeuten \u2013 lohnt sich aber in jedem Fall.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Ferda Ataman<\/strong><\/p>\n<p><strong><!-- \/wp:paragraph --> <!-- wp:paragraph --><\/strong><\/p>\n<p>Ferda Ataman ist Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin. Sie war u. a. Journalistin beim Tagesspiegel und bei Spiegel Online, leitete die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und baute den \u201eMediendienst Integration\u201c auf, eine Informationsplattform zu den Themen Migration, Integration und Asyl. Ataman ist Vorsitzende des Vereins Neue Deutsche Medienmacher*innen und Mitbegr\u00fcnderin der neuen deutschen organisationen. F\u00fcr ihre Arbeit erhielt sie 2019 den Julie-und-August-Bebel-Preis f\u00fcr innovative und emanzipatorische Beitr\u00e4ge zur politischen Bildung. Ihr Buch &#8220;H\u00f6rt auf zu fragen, ich bin von hier!&#8221; erschien 2019.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<script>\nfunction block_60cc93c138fc5() {\n    jQuery('.block-text-image-bg').each(function() {\n        var pad = 90;\n        var y = jQuery(this).find('.txt').position().top - pad + 'px';\n        var h = 'calc( ' + jQuery(this).find('.txt').css('height') + ' + ' + 2 * pad + 'px)';\n        jQuery(this).find('.bg').css({\n            'top': y,\n            'height': h\n        });\n    });\n}\n\njQuery(window).resize( block_60cc93c138fc5 );\njQuery(document).ready( block_60cc93c138fc5 );\n<\/script>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann die Wikipedia diverser werden? Diese Frage stand im Fokus einer Reihe von Veranstaltungen, darunter ein Edit-a-thon zum Weltfrauentag. 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