{"id":920,"date":"2022-04-11T17:18:04","date_gmt":"2022-04-11T15:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wikimedia.de\/2021\/?post_type=themen&#038;p=920"},"modified":"2022-04-27T13:40:32","modified_gmt":"2022-04-27T11:40:32","slug":"wissensgerechtigkeit","status":"publish","type":"themen","link":"https:\/\/www.wikimedia.de\/2021\/themen\/wissensgerechtigkeit\/","title":{"rendered":"Wissensgerechtigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Eines von zwei strategischen Zielen des Wikimedia Movements ist es, \u201eWissensgerechtigkeit\u201c zu schaffen. Aber wie l\u00e4sst sich dieser Begriff mit Leben f\u00fcllen? Eine Antwort darauf hat 2021 unter anderem die neue Diskussionsreihe \u201eWissen. Macht. Gerechtigkeit.\u201c gegeben, die Wikimedia Deutschland in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur veranstaltet. Auch in der Wikipedia soll unterrepr\u00e4sentiertes Wissen noch sichtbarer werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir arbeiten schon lange daran, Wikimedias Einsatz f\u00fcr ein freies Netz, an dem alle teilhaben und ihr Wissen teilen k\u00f6nnen, mit bestehenden gesellschaftspolitischen Diskursen zu verbinden\u201c, so Lilli Iliev, Leiterin Politik &amp; \u00f6ffentlicher Sektor bei Wikimedia Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Grund hat Wikimedia 2014 die Salonreihe \u201eDas ABC des Freien Wissens\u201c ins Leben gerufen, in der Akteur*innen aus den Bereichen Politik, Kultur, Journalismus und Netzaktivismus zusammengekommen sind, um Themen aus dem Wikimedia-Spektrum zu diskutieren. Nicht selten ergaben sich daraus weitere Kooperationen \u2013 oft mit Organisationen und Initiativen, die neue Andockpunkte an das Feld \u201eFreies Wissen\u201c f\u00fcr sich entdeckt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Juli 2021 existiert nun eine Diskursreihe, die den Salon-Gedanken fortschreibt: \u201eWissen. Macht. Gerechtigkeit.\u201c. Iliev hat daf\u00fcr eine Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur angebahnt \u2013 was den Ausgaben, die auch als Podcast zur Verf\u00fcgung stehen, \u201eeine noch gr\u00f6\u00dfere Reichweite verspricht\u201c. Der Fokus liegt auf Fragen nach der (Neu)Verteilung von Wissen in der vernetzten Gesellschaft, nach der ungleichen Repr\u00e4sentation von Frauen, BIPoC und anderen marginalisierten Gruppen in Politik, Medien \u2013 und nicht zuletzt in der Wikipedia.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Postkoloniale Herausforderungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Desinformation im Wahlkampf war eines der Themen der drei Veranstaltungen, die 2021 bereits stattgefunden haben. Auch daran h\u00e4ngen Fragen von Macht \u2013 Informationsmacht n\u00e4mlich. \u201eWie k\u00f6nnen \u00f6ffentliche digitale Kommunikationsr\u00e4ume so gestaltet werden, dass die Gefahr von Desinformationen gemindert und gleichzeitig die Meinungsfreiheit gesch\u00fctzt wird?\u201c, beschreibt Iliev die Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Ausgabe widmete sich dem \u201epostkolonialen Museum\u201c. Ebenfalls ein Feld, auf dem sich Wikimedia engagiert. Das Anliegen ist, unterrepr\u00e4sentiertes Wissen in Zusammenarbeit mit Museen, Archiven und Bibliotheken zu identifizieren und sichtbarer zu machen. In Zusammenarbeit mit Kurator*innen erschlie\u00dfen Ehrenamtliche die Datens\u00e4tze f\u00fcr die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte \u2013 freilich unter Ber\u00fccksichtigung des jeweiligen Kontextes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel ist die Sammlung Karl Schmidt-Rottluff des Berliner Br\u00fccke-Museums, die in digitalisierter Form auf Wikimedia Commons ver\u00f6ffentlicht \u2013 und gleichzeitig kritisch aufgearbeitet werden soll. Schlie\u00dflich stammen die rund 100 Skulpturen und Objekte aus kolonialen Zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dimensionen der Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit dem \u201eGRASSI Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig\u201c kooperiert Wikimedia, um dessen Transformationsprozess \u201eReinventing GRASSI\u201c zu unterst\u00fctzen. In dessen Zuge werden die eigenen ethnologischen Sammlungen auf ihre Erwerbs- und Ausstellungsgeschichte hin durchleuchtet. Iliev betont, dass bei der Digitalisierung \u201eHerkunftsgesellschaften nicht \u00fcbergangen werden d\u00fcrfen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>So wichtig die digitale \u00d6ffnung der Kulturerbe-Institutionen sei, um \u00fcberhaupt Transparenz zu schaffen, welche Objekte sich in ihrem jeweiligen Besitz befinden \u2013 so sensibel m\u00fcsse der Prozess verlaufen: \u201eWelche Wege gibt es, Transparenz und Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr und mit Herkunftsgesellschaften herzustellen, und wie k\u00f6nnen kulturelle Objekte digital so beschrieben werden, dass sie die verschiedenen Kontexte ihrer Identit\u00e4t nachhaltig abbilden?\u201c Wikimedia hat dazu drei Forderungen an die Politik erhoben \u2013 unter anderem die Schaffung und F\u00f6rderung von R\u00e4umen, in denen dekolonial gearbeitet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBei Digitalisierungsfragen gibt es immer eine Gerechtigkeitsdimension, die man diskutieren sollte\u201c, sagt Iliev. Das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit daf\u00fcr seien jedenfalls gewachsen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Weitung des europ\u00e4ischen Blicks<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich geht es beim Thema \u201eWissensgerechtigkeit\u201c auch darum, die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte diverser, partizipativer und gleichberechtigter zu gestalten. Vor allem zwei H\u00fcrden macht die Leiterin Politik &amp; \u00f6ffentlicher Sektor auf diesem Weg aus: \u201eZum einen die enzyklop\u00e4dische Form, die per se Ausschl\u00fcsse produziert, beziehungsweise nur einschlie\u00dft, was wenige akademisch gebildete Menschen als Wissen definieren.\u201c Hier gelte es zu \u00fcberlegen, wie die Wikimedia-Projekte als Infrastruktur auch andere Formen von Wissen abbilden k\u00f6nnten. Etwa in audiovisueller Form.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZum anderen l\u00e4sst sich unser europ\u00e4ischer Begriff von Ehrenamt nicht eins zu eins auf alle Teile der Welt \u00fcbertragen.\u201c Schlie\u00dflich setze er Ressourcen und vor allem Zeit voraus, \u00fcber die viele nicht verf\u00fcgten. Umso dr\u00e4ngender stellt sich die Frage, wie auch wir uns ver\u00e4ndern m\u00fcssen, \u201edamit die Mitarbeit in den Wikimedia-Projekten f\u00fcr viel mehr Menschen attraktiv wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Weg ist, die Diskussion \u00fcber Wissensgerechtigkeit nicht abrei\u00dfen zu lassen, den Kontakt mit Vertreter*innen von Organisationen und der Zivilgesellschaft zu suchen und die eigenen Kreise zu weiten \u2013 wie mit der Reihe \u201eWissen. Macht. Gerechtigkeit.\u201c. Lilli Iliev sieht daf\u00fcr noch \u201eein gro\u00dfes Potenzial an Themen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines von zwei strategischen Zielen des Wikimedia Movements ist es, \u201eWissensgerechtigkeit\u201c zu schaffen. Aber wie l\u00e4sst sich dieser Begriff mit Leben f\u00fcllen? Eine Antwort darauf hat 2021 unter anderem die neue Diskussionsreihe \u201eWissen. Macht. Gerechtigkeit.\u201c gegeben, die Wikimedia Deutschland in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur veranstaltet. Auch in der Wikipedia soll unterrepr\u00e4sentiertes Wissen noch sichtbarer werden. 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