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„Heureka! Das Internet, wie ich es mir gewünscht hatte“

Von: Frank „Fährtenleser“ B., Wuppertal

Es war irgendwann in den 90ern, als ich meine ersten Berührungen mit dem Internet hatte.
In einem Internet-Café wollte ich meine Neugier befriedigen und gab hoffnungsfroh den
Suchbegriff „Umwelt“ in die Adresszeile ein. Da die damaligen Browser jedoch nur etwas mit
vollständigen URLs anfangen konnten, führte die Suche leider zu nichts. Da ich auch mit
dem Hinweis des Café-Betreibers „Sie müssen eine Suchmaschine aufrufen“ nichts anfangen
konnte, war das Ganze ein frustrierender Start. Dabei hatte ich mir das Internet
vorgestellt wie ein elektronisches Lexikon, in dem das ganze Wissen der Menschheit auf
ganz einfache Weise abrufbar ist. Homepages mit Fotos vom Urlaub irgendwelcher Leute,
Katzenvideos und Werbung, wohin das Auge sieht, kamen in meiner Vorstellung nicht vor.

Auch später – als ich erfuhr, wie und wofür das Internet vor allem genutzt wird – verblieb
bei mir der Wunsch nach einer Online-Enzyklopädie. Da ich mit den Webseiten um die
Jahrtausendwende noch nicht wirklich viel anfangen konnte, blieb ich ein sporadischer
Nutzer … und verpasste den Beginn der Wikipedia. Erst ein paar Jahre nach der Gründung der
deutschen Wikipedia wurde ich darauf aufmerksam: Heureka! Das war das Internet, wie ich es
mir gewünscht hatte – wenngleich ich auf Anhieb etliche Fehler entdeckte. Wie konnte das
sein? Als ich dann verstand, dass jeder Nutzer daran mitarbeiten kann, war das wie eine
Offenbarung für mich, denn neben meiner Arbeit im Naturschutz erschien mir eine frei
zugängliche Bildung und umfängliche, auf Tatsachen basierende Recherchemöglichkeiten für
jeden Menschen  immer schon sehr wichtig.

So war es für mich fast schon selbstverständlich, dass ich eine zeitaufwändige, intensive
und oft auch nervenaufreibende Arbeit als Wikipedia-Autor unter dem Pseudonym „Homo
oecologicus“ begonnen habe. Ich habe übrigens nie verstanden, wieso sich die meisten
Autoren mit solchen Nicknames anmelden und zumeist nicht erkennbar ist, wer dahinter
steckt. Nach dem Wechsel zu „Ökologix“ und schließlich „Fährtenleser“ habe ich mich daran
gewöhnt; doch nach wie vor ist es mir suspekt, wenn man auf den persönlichen Seiten der
Autoren nichts über die „Täter“ erfahren kann … unter denen leider auch immer wieder
„böswillige Sockenpuppen“ ihr Unwesen treiben. Doch auch nach etlichen Portionen Ärger und
Wut in ellenlangen Diskussionen mit solchen Leuten und immer noch vielen (meist kleinen)
Fehlern in tausenden Artikeln, ist meine Motivation zur Mitarbeit insgesamt eher noch
gestiegen, denn ich halte es – gerade in Zeiten von FakeNews und blühenden
Verschwörungstheorien – nach wie vor für sehr wichtig, dass es ein „Portal der Wahrheit“
im Internet gibt!

Und es ist mir eine große Ehre, daran mitarbeiten zu dürfen – damit das „wahre Internet“
immer besser werde!

Mit wikipedianischen Grüßen
Frank „Fährtenleser“ B. aus Wuppertal