Wie uns Philipp Amthor und Christian Lindner beim Erstellen unserer Polit-App halfen

Was ein Design Sprint wirklich bringt, warum User Testing alles ist und wie der FDP-Chef ein Feature gesprengt hat. Das Team von Face the Facts berichtet über die Arbeit mit dem UNLOCK-Accelerator.

  • Fabian Volkers
  • Finn-Jordan Max
  • Oliver Köditz
  • Victor Bellu
  • 29. September 2020

Face the Facts ist eine Webapp, die alle wichtigen Informationen über Kandidaten:innen politischer Parteien zusammenträgt. Dazu gehören etwa vergangenes Abstimmungsverhalten, Kontroversen oder Nebentätigkeiten. Diese Informationen werden direkt am Wahlplakat zugänglich gemacht.  Als Teil des UNLOCK Accelerators entwickeln wir einen MVP und planen nach der nächsten Bundestagswahl das fertige Produkt an eine Community nach dem Vorbild von Wikipedia zu übergeben.

Screenshot from the 2020 prototype of the Face the Facts app which was developed during the UNLOCK Accelerator 2020. It shows information on politician Philipp Amthor.
Bildlizenz: Team Face the Facts, FaceTheFacts Prototype Screenshot1, CC BY-SA 4.0

Am Anfang war das Vorurteil

Die Hälfte unseres Teams kommt aus der Kreativbranche und weil Kreative fast Künstler sind oder sein wollen, sind wir daran gewöhnt uns bei Ideen nicht reinreden zu lassen- schon gar nicht von der Zielgruppe. Meistens entscheidet ein Creative Director was gemacht wird und ein Projektmanager darf dem Kunden dann erklären, warum die Welt darauf gewartet hat, dass eine Chipsmarke die andere in die Luft jagt. Design Thinking, User-Interviews, oder Brainstorming werden bestenfalls als lahme Versuche von BWLern gesehen, weniger langweilig zu klingen und genauso nutzlos haben wir auch den Design Sprint am Anfang des Accelerators gesehen.

Bauchgefühl vs. Coaching

Glücklicherweise sind auch wir lernfähig. Innerhalb des Design Sprints hat uns unser Mentor von einem groben Konzept zu einem Prototypen katapultiert, uns auf erste Features festgenagelt, beigebracht wie man einen Turm aus Marshmallow und Spaghetti nicht bauen sollte und uns gezeigt wie wir User interviewen. Besonders letzteres war für die Meisten von uns Neuland. Bei den eigenen Ideen, denkt man schnell, dass man selbst schon am besten weiß, wie sie umgesetzt werden sollten. Was dabei oft herauskommt sind Apps mit katastrophaler User Experience oder verwirrendem Design (siehe quasi jede staatliche Website). Dabei gibt es doch nichts Besseres, als User, die dir selber verraten, was sie eigentlich wollen und nichts was dich schneller auf den Boden der Tatsachen zurückholt, als wenn niemand dein fancy Feature haben will, dass du gestern noch für einen Geistesblitz gehalten hast.

Face the facts before they face you

Soviel man durch User- Interviews lernen kann, eine Sache können sie dir nicht abnehmen: Research. Als wir angefangen haben die ersten Prototypen zu testen, war Phillip Amthor unser unfreiwilliger Botschafter. Fast jeder kannte ihn und wollte mehr über ihn, seine Kontroversen und Nebentätigkeiten erfahren. Das Feedback dieser Userinterviews haben wir dann zum Redesign des User Interface und zur Validierung der Features genutzt. Damit haben wir quasi die perfekte App für Phillip Amthor gebaut. Was wir fast vergessen hätten: Es gibt noch über 600 andere Politiker:innen im Bundestag und beinahe dreimal so viele Kandidat:innen. Vielleicht waren die Leute nur daran interessiert, mehr über Phillip Amthor zu erfahren, weil er gerade in den Medien präsent war? Glücklicherweise waren die Leute auch an anderen Politikern interessiert – dummerweise hatte einer davon so viele Nebentätigkeiten, dass wir sie gar nicht alle aufzählen konnten. Christian Lindners sechs Seiten an Vorträgen für zwanzig verschiedene Firmen passten nicht in ein Design, dass wir für Philipp Amthor gebaut hatten. Am Ende wurde aus der „dornigen Chance“ ein besseres Feature und die Erkenntnis, dass Design niemals fertig ist.