Mitgliedschaft/WikiversumAusgabe03

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Wikiversum bietet vierteljährlich Informationen über die vielen Facetten des Freien Wissens, die Arbeit Wikimedia Deutschlands und Termine für anstehende Veranstaltungen. Der Name “Wikiversum” soll dabei die Vielfalt an Themenfeldern und Projekten widerspiegeln, mit denen sich Wikimedia als Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens beschäftigt. Im Archiv finden Sie die letzten beiden Ausgaben. Lesen Sie jetzt, wie sich Wikimedia Deutschland gemeinsam mit anderen Wikimedia-Organisationen für eine moderne und einheitliche Urheberrechts-Gesetzgebung innerhalb Europas stark macht und was das Ganze mit Ihren Urlaubsbildern des Eiffelturms zu tun hat.



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Geschwärzt: Das belgische Wahrzeichen "Atomium" Foto: Nr92 + Romaine, public domain, via Wikimedia Commons



Ein Knips und schon im Knast?

Urlaub in Frankreich, Italien oder Griechenland? Das Posten von Fotos in sozialen Medien wie Facebook oder Twitter gehört heute ganz selbstverständlich dazu. Teilen ist Alltag, auch wenn viele solcher Aufnahmen das Urheberrecht verletzen. Die Nutzung einer Aufnahme des Atomiums in Brüssel oder des Centre Pompidou in Paris ist gegenwärtig illegal – selbst wenn es sich um ein nichtkommerzielles, privates Blog handelt. Das liegt am Urheberrecht, welches Architektur als Kunstform zurecht schützt. Viele Länder machen allerdings eine Ausnahme für Aufnahmen von Gebäuden, die öffentlich zugänglich sind. Wir nennen diese Ausnahme Panoramafreiheit und möchten, dass sie universell innerhalb der EU gültig wird.

Alle Wikimedia-Projekte basieren auf der Verwendung freier Lizenzen. Nur so ist es möglich, Wissen in all seinen Formen rechtssicher verbreiten und nutzen zu können. Genau das ist aber bei vielen Fotos von Gebäuden derzeit nicht so. Das liegt daran, dass Architektur künstlerisch geschützt ist und deshalb Bilder von Architektur als abgeleitete Werke gelten. Um nicht das Gesetz zu brechen, müssen theoretisch alle Architekten um Erlaubnis gebeten werden, eines ihrer Gebäude zu fotografieren. Und das bis 70 Jahre nach deren Tod.

In der Praxis ist es teilweise sogar noch komplizierter. Die Urheberrechte am 1889 fertiggestellten Eiffelturm in Paris sind inzwischen abgelaufen und ein Foto kein Problem. Anders sieht es aber mit einer nächtlichen Aufnahme des Turms aus. Die Betreibergesellschaft beansprucht das Urheberrecht an der Beleuchtung, die sie als Kunstwerk sieht. Dadurch bedürfen alle kommerziell genutzten Nachtaufnahmen der Genehmigung. Doch wer weiß das schon?

Mehr Klarheit schaffen – in ganz Europa

Um Inhalte zur freien Nachnutzung verfügbar zu machen, müssen die Regelungen des Urheberrechts den veränderten Bedingungen des digitalen Zeitalters angepasst werden. Da solch grundlegende Veränderungen über Ländergrenzen hinaus funktionieren sollen, werden die Richtlinien für ein modernes Urheberrecht in Brüssel, das heißt auf europäischer Ebene, festgelegt.

Als die Europäische Kommission 2014 mit der Reformierung des Urheberrechtes in der Europäischen Union begann, löste das sofort hektische politische und Lobbying-Aktivitäten in Brüssel aus. Auch weil das Thema zu einer der höchsten Prioritäten gemacht wurde. Wie in solchen Fällen üblich, setzte ein Gerangel aller Anspruchsgruppen, auch des Europäischen Parlaments selbst, um Informationen und um die Formulierung der geplanten Gesetze ein.

Verantwortung: Wikimedia kämpft für Freies Wissen in Europa. Im Video sprechen Vertreter verschiedener Wikimedia-Organisationen darüber, warum das unbedingt nötig ist.

Inmitten von all dem steht Wikimedia. Wir haben klare, fokussierte und erreichbare Ziele, die den Inhalt unserer Projekte auf sehr messbare Weise ändern könnten. Zusammen mit 14 anderen europäischen Wikimedia-Organisationen haben wir die Free Knowledge Advocacy Group EU (FKAGEU) gegründet, um gemeinsam unsere politische Arbeit zu koordinieren. Dieses Netzwerk aus hauptamtlich und freiwillig Engagierten kann unsere Argumente und Bedürfnisse in ihrer jeweiligen Sprache an die zuständigen Entscheidungsträger herantragen. Wie auch in der Wikipedia greift hier der Gedanke, dass wir in der Gemeinschaft mehr erreichen.

Im Dialog mit Europäischer Kommission und Europäischem Parlament

Schon seit 2013 hält Dimitar Dimitrov als “unser Mann in Brüssel” die Fäden vor Ort in der Hand, beobachtet und berichtet über die aktuelle EU-politische Lage und kümmert sich um die Vernetzung mit politischen Entscheidungsträgern und anderen relevanten Akteuren. Die FKAGEU hat ein Positionspapier zur Umgestaltung des Urheberrechts formuliert, das die wichtigsten Grundlagen für die Verbreitung von Freiem Wissen legen soll. Neben der oben erwähnten Panoramafreiheit für ganz Europa fordert es beispielsweise darüber hinaus, dass Werke – seien das nun Fotos, Texte oder die Ergebnisse einer Studie – die öffentlich finanziert und beauftragt wurden, auch der Allgemeinheit zur freien Verfügung und Nachnutzung bereit gestellt werden.

Inzwischen sind wir für die gesamte Europäische Kommission und das Europäische Parlament ein bekannter, relevanter Ansprechpartner im Urheberrechtsbereich. So wurde beispielsweise der stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums von Wikimedia Deutschland, Lukas Mezger, zu einem Hearing des EU-Kommissars für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, gebeten. Er sprach darüber, wie der Zugang zu Wissen und kulturellem Erbe durch Kultur-Institutionen wie Bibliotheken oder Museen künftig erleichtert werden kann. Außerdem sind wir mit anderen gleichgesinnten Organisationen vernetzt und bieten Entscheidungsträgern umfangreiche Informationen in Urheberrechtsfragen, beispielsweise zum Thema Lizenzen, an.

Eine solche grundlegende rechtliche Harmonisierung ist sicherlich nicht über Nacht getan. Aber es ist wichtig, für die einfachste Regelung einzutreten, um rechtliche Sicherheit für alle Bürgerinnen und Bürgern Europas gewährleisten zu können. Wikimedia Deutschland und die anderen Länderorganisationen sind überzeugt, dass eine freiestmögliche Regelung die beste Lösung für alle darstellt. Dafür arbeiten wir.

Diskussion zu H wie Harmonisierung

Im Rahmen des Wikimedia-Salons “Das ABC des Freien Wissens" ging es am 8. Mai in der Veranstaltung H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel? um den aktuellen Verhandlungsprozess für ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene. Moderiert von Matthias Spielkamp (Journalist, iRights.info) diskutierten Elisabeth Kotthaus (Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland), Julia Reda (Europaabgeordnete der Piratenpartei), Dimitar Parvanov Dimitrov (Wikimedian in Brussels, Free Knowledge Advocacy Group EU) und Joe McNamee, Geschäftsführer European Digital Rights auf dem Podium und stellten sich den Fragen des Publikums. Schauen Sie sich die Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung als Video an.


Wikimedia: eine weltweite Bewegung
Wikimedia ist eine weltweite Bewegung, die sich für die Idee des Freien Wissens einsetzt. Alle Wikimedia-Projekte, wie zum Beispiel Wikipedia, werden von der gemeinnützigen Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco, USA, betrieben. Über 40 unabhängige Länderorganisationen unterstützen die Wikimedia-Projekte vor Ort. Als gemeinnütziger Verein ist Wikimedia Deutschland die älteste und größte Länderorganisation.

Wikipedia und Wikimedia: Vom offenen Projekt zur offenen Gesellschaft
Wikipedia ist mehr als eine Webseite. Sie ist Teil unseres Alltags geworden. Millionen Menschen lesen die freie Enzyklopädie, tausende arbeiten täglich ehrenamtlich mit. Sie verändern, korrigieren oder ergänzen Artikel in fast allen Sprachen der Welt – frei zugänglich und frei nutzbar. Wikimedia Deutschland unterstützt die Menschen hinter Wikipedia und ihre Ideen. Wir fördern Infrastruktur, Treffen oder Workshops. Wir vergeben Stipendien, ermöglichen Projekte und bieten technische Hilfe an. Wikimedia Deutschland fördert aber auch den Grundgedanken jenseits der Enzyklopädie: Unser Ziel ist es, dass Freies Wissen Teil unseres Alltags wird. Wir wollen, dass kollaboratives Lernen mit frei nutzbaren Inhalten in Klassenräumen und Hörsälen selbstverständlich wird. Wir wollen, dass diese Art zu arbeiten kein gesellschaftliches Nischenthema bleibt. Wir überzeugen Museen, Wissenschafts- und andere Kulturinstitutionen davon, ihre Inhalte als Vorreiter freizugeben. Wir fordern sichere gesetzliche Rahmenbedingungen dafür, dass Projekte wie Wikipedia auch in Zukunft entstehen können.

Hinter diesen Zielen steht die klare Überzeugung, dass sich Freies Wissen nicht auf einzelne Themenfelder begrenzen lässt.



Helfen Sie mit! Wikimedia Deutschland 2016 gestalten.

In wenigen Wochen beginnt die Ausarbeitung für den kommenden Jahresplan des Vereins. Bislang wird der Mitgliederversammlung jedes Jahr im Herbst nach einer kurzen Community-Diskussion ein fertiger Entwurf zur Verabschiedung vorgelegt. Auf dem Weg zum Plan 2016 machen wir einen neuen ersten Schritt: Zwischen dem 01. und dem 14. Juni 2015 sammeln wir auf dieser öffentlichen Seite Fragen, Ideen und Anregungen zur Vereinsarbeit. Sie sind herzlich eingeladen, sich dort zu informieren und beizutragen. Es ist auch möglich, anstatt auf der Wiki-Seite eine E-Mail zu schicken, an wikiversum@wikimedia.de.
Aus den gesammelten Hinweisen, Fragen und Bewertungen wird das ehrenamtliche Präsidium des Vereins einen Jahreskompass für 2016 erstellen, der die thematischen Schwerpunkte für die spätere Detailplanung setzt. Bitte teilen Sie Ihre Gedanken mit uns!



Mehr Informationen

Wollen Sie mehr über die Arbeit von Wikimedia Deutschland erfahren? In unserem Impact Report 2014 und im Jahresbericht 2014 können Sie sich ausführlich informieren.

Neues monatliches Kurzvideo

Einmal im Monat treffen sich die hauptamtlichen Mitarbeiter von Wikimedia Deutschland, um sich über die Projekte in den einzelnen Bereichen auszutauschen. Bei diesem Monatsmeeting werden die unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte innerhalb des Kollegiums sehr lebendig erzählt und mit Präsentationen visualisiert. Wir nutzen dafür Bühne und Technik unseres Veranstaltungsraums Mosaik und zeichnen die Monatstreffen auf Video auf. Dieses Material bildet die Grundlage für ein neues Video-Format: Drei Themen des Monatsmeetings werden kollaborativ ausgewählt und zu einem 3-Minuten-Video zusammengeschnitten. Im Bild zu sehen sind die Präsentationen und oben links auch die Kollegen, die gerade auf der Bühne über die Projekte sprechen. Dazu wird eine extra Tonspur mit Sprechertext aufgenommen. Das Video soll vor allem neuen Mitgliedern die Arbeit des Vereins rund um die vielen Facetten des Freien Wissens näherbringen und eine Einladung sein, sich weiter zu informieren. Der Sprechertext ist unterhalb des Videos aufgeführt und mit Links auf die entsprechenden Projektseiten hinterlegt.

Die technische Umsetzung der Videos ist zwar noch nicht perfekt, aber der Grundstein ist gelegt. Viel Spaß beim Ansehen!

http://blog.wikimedia.de/2015/05/29/wmde-in-3-minuten-april-2015/
http://blog.wikimedia.de/2015/05/22/wmde-in-3-minuten-maerz-2015/
http://blog.wikimedia.de/2015/05/08/wir-probieren-aus-wmde-monatsvideo-februar-2015/


Veranstaltungen

Wikimedia Deutschland führt regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen rund um Freies Wissen durch, zu denen Interessierte herzlich eingeladen sind. Darüber hinaus unterstützt der Verein auch Treffen, bei denen Freiwillige beispielsweise gemeinsam an Wikipedia-Artikeln schreiben. Der Veranstaltungskalender informiert über anstehende Termine.

Aktueller Veranstaltungskalender


Neben dem kalendarischen Überblick finden Sie im Folgenden weiterführende Informationen zu ausgewählten Veranstaltungen in den kommenden Wochen.

Stammtische der Wikipedianer

Derzeit gibt es in über fünfzig deutschen Städten regelmäßig stattfindende Stammtische der Wikipedianer. In geselliger Runde werden dort die aktuellen Entwicklungen besprochen und der neueste Klatsch aus der Community berichtet.

Auch wer neu bei der Wikipedia ist, kann sich hier Ratschläge holen und Kontakte knüpfen. Ort und Zeit der Stammtische in der Übersicht

Das ABC des Freien Wissens

Unter dem Veranstaltungstitel Das ABC des Freien Wissens stellen wir Fragen zur vernetzten Gesellschaft. Im Vordergrund stehen relevante kultur- und netzpolitische Themen mit Bezug zur Wiki-Welt. Am 25. Juni wird das Thema "I=Inhalt. Offene Kulturdaten – Offene Gesellschaft?" Gäste diesmal: Tim Renner, Kulturstaatssekretär von Berlin Dr. Paula Marie Hildebrandt, Kuratorin und Stadtforscherin, Prof. Johannes Vogel, Direktor des Museums für Naturkunde.

Weitere Informationen zur Reihe, vorangegangenen Terminen sowie zur Video-Dokumentation finden Sie hier

EnthusiastiCon: Eine Konferenz über die Begeisterung für das Programmieren

Vom 19. bis zum 21. Juni veranstaltet Wikimedia Deutschland im Rahmen von sourcecode.berlin eine Konferenz für die Community der Programmiererinnen und Programmierer mit dem Namen EnthusiastiCon statt. In einer Reihe von kleinen, 10-minütigen Vorträgen geht es um Begeisterung für das Schreiben von Software: Interessantes, Seltsames und Schönheit im Code und schlaue Lösungen für ungewöhnliche Probleme. Weitere Informationen – in der Konferenzsprache Englisch – sind auf der Konferenzseite zu finden.

Coding da Vinci Abschlussveranstaltung

In der letzten Ausgabe des Wikiversum haben wir über Coding da Vinci berichtet. Die öffentliche Projektpräsentationen und Preisverleihung findet am 05. Juli 2015 im Jüdischen Museum Berlin (Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin) statt. Die besten Projektideen werden in fünf Preiskategorien von einer Jury prämiert. Wenn Sie an dieser Veranstaltung teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte über dieses Formular an.


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