Wissen unter Druck: Für freien Zugang zu Informationen und ein besseres Internet
Der freie Zugang zu verlässlichen Informationen, wie ihn die Wikipedia seit 25 Jahren garantiert, gerät zunehmend durch politische Eingriffe ebenso wie durch wirtschaftliche Interessen großer Tech-Konzerne unter Druck. Umso wichtiger ist es, der Wikipedia und anderen freien Wissensprojekten auf politischer Ebene den Rücken zu stärken. 2025 haben wir uns insbesondere für offene digitale Infrastrukturen, gegen den Abbau der Informationsfreiheit und für eine zukunftsfähige Bildungspolitik engagiert.
Weltweit ist im Jahr 2025 der politische Druck auf den Zugang zu Wissen gewachsen: Unabhängige Medien und Universitäten wurden drangsaliert, Wissenschaft als Basis für Erkenntnis oft infrage gestellt. Auch Wikipedia geriet in den Fokus von Regierungen, Konzernen und Tech-Oligarchen, die unabhängiges Wissen als Bedrohung empfinden. Gerade deshalb und in einer Zeit, in der das konzerndominierte Internet oft von Desinformation und Polarisierung geprägt ist, ist der freie und unabhängige Zugang zu geprüftem Wissen für alle Menschen ein hohes Gut.
Als Wikimedia Deutschland gehört es zu unseren Zielen, eine breite politische und gesellschaftliche Unterstützung für frei zugängliches Wissen zu organisieren – national und international. Auch 2025 zielte unser Engagement darauf ab, Entscheidungsträger*innen aus verschiedenen Feldern als Unterstützende zu gewinnen und politische Allianzen für eine demokratische, gemeinwohlorientierte und transparente Digitalpolitik zu schmieden.
Für Transparenz und Informationsfreiheit
Nach der Bundestagswahl im Februar 2025 plante die CDU, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) abzuschaffen. Verpackt als vermeintliche „Staatsmodernisierung“ hätte diese Änderung den Zugang zu Behördeninformationen erheblich erschwert. Staat, Politik und Demokratie haben jedoch schon jetzt ein Vertrauensproblem, die Bevölkerung braucht mehr Informationen über das Handeln von Behörden und Ministerien und nicht weniger. Deshalb haben wir gegen die geplante Abschaffung protestiert. Und das mit Erfolg: Das IFG blieb erhalten. Eine Ankündigung zur Reform folgte, aber die Umsetzung steht weiter aus.
Deutschland gehört im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern in Sachen Transparenz. Für Bürger*innen ist oft schwer nachvollziehbar, wie Behörden, Ministerien oder Politiker*innen entscheiden. Unsere 2025 veröffentlichte Broschüre „Informationsfreiheit für Wikipedia – und für Vertrauen in den Staat“ zeigt, warum sich das ändern muss und welche Argumente für mehr Offenheit sprechen. Ein modernes Transparenzgesetz würde nicht nur freien Wissensprojekten wie Wikipedia helfen, sondern auch die Verwaltung effizienter machen und Vertrauen stärken.
Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind klare Maßstäbe vonnöten: In der Publikation „Generative KI für die Verwaltung?“, die wir ebenfalls 2025 veröffentlicht haben, zeigen wir, dass staatliche Entscheidungen nachvollziehbar, regelgebunden und verlässlich bleiben müssen. Klassische, regelbasierte Systeme sind dafür oft besser geeignet als generative KI-Systeme.
Bereits im Vorfeld der Bundestagswahl und während der Koalitionsverhandlungen haben wir gemeinsam mit einem breiten Bündnis deutlich gemacht, was wir von der neuen Bundesregierung erwarten: eine Digitalpolitik im Dienst von Mensch und Umwelt. Die Analyse des Koalitionsvertrags zeigt zwar, dass einige Forderungen aufgegriffen wurden – vieles bleibt jedoch weiterhin offen.
Bildung und KI: Wissen für die Zukunft
Wie leben und lernen wir in einer Welt, die zunehmend von KI-Anwendungen geprägt ist. Wie kann Bildung dabei verlässlich und frei bleiben? Mit dem zweiteiligen Workshop-Format Offene KI in der Schule haben wir 2025 begonnen, Lehrkräfte und Bildungsakteur*innen für den reflektierten Umgang mit KI-Tools im Unterricht zu gewinnen. Eine Umfrage unter Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern hat gezeigt, wie sie Wikipedia und digitale Bildungsangebote heute nutzen – und wo Handlungsbedarf besteht. Die daraus entstandene Broschüre mit bildungspolitischen Empfehlungen haben wir an Bildungspolitiker*innen übergeben und in Gesprächen als Argumente für freie und offene Bildung genutzt.
Wie leben und lernen wir in einer Welt, die zunehmend von KI-Anwendungen geprägt ist. Wie kann Bildung dabei verlässlich und frei bleiben? Mit dem zweiteiligen Workshop-Format Offene KI in der Schule haben wir 2025 begonnen, Lehrkräfte und Bildungsakteur*innen für den reflektierten Umgang mit KI-Tools im Unterricht zu gewinnen. Eine Umfrage unter Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern hat gezeigt, wie sie Wikipedia und digitale Bildungsangebote heute nutzen – und wo Handlungsbedarf besteht. Die daraus entstandene Broschüre mit bildungspolitischen Empfehlungen haben wir an Bildungspolitiker*innen übergeben und in Gesprächen als Argumente für freie und offene Bildung genutzt.
Bildung ist auch ein Schwerpunkt unserer Publikation „Grundrechte im Digitalen“. Es vereint die Stimmen von 25 Expert*innen zu Themen wie Datenschutz, Bildungsgerechtigkeit und das Recht auf Bildung für mehr Medienkompetenz. Unter anderem geht es um Bildungsgerechtigkeit, Datenschutz und das Recht auf Medienbildung für mehr Medienkompetenz. Das Buch beleuchtet weiter, wie sich zwei unserer wichtigsten Grundrechte – Meinungsfreiheit und Privatsphäre – im digitalen Umfeld schützen lassen. In verschiedenen Beiträgen werden auch Lösungen für Themenbereiche wie digitale Überwachung, KI und Algorithmen sowie den digitalen Gewaltschutz vorgestellt.
Plattformen für ein besseres Internet
Das Internet ist nicht neutral. Kommerzielle Plattformen wie X, Meta oder Google dominieren zunehmend den öffentlichen Diskurs – oft auf Kosten von Vielfalt und Vertrauen. In einem offenen Brief an die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben wir deshalb mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen eine wirksamere Kontrolle digitaler Plattformen angemahnt. Die Kernforderung: Digitale Plattformen sollten nicht länger so programmiert sein, dass sie massiv Diskurse beeinflussen und die Polarisierung von Debatten vorantreiben. Um diesen Risiken zu begegnen, müssten bestehende Regulierungen wie der Digital Services Act und Digital Markets Act wirksam umgesetzt werden.
Das Internet ist nicht neutral. Kommerzielle Plattformen wie X, Meta oder Google dominieren zunehmend den öffentlichen Diskurs – oft auf Kosten von Vielfalt und Vertrauen. In einem offenen Brief an die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben wir deshalb mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen eine wirksamere Kontrolle digitaler Plattformen angemahnt. Die Kernforderung: Digitale Plattformen sollten nicht länger so programmiert sein, dass sie massiv Diskurse beeinflussen und die Polarisierung von Debatten vorantreiben. Um diesen Risiken zu begegnen, müssten bestehende Regulierungen wie der Digital Services Act und Digital Markets Act wirksam umgesetzt werden.
Gleichzeitig haben wir Alternativen zu Big Tech aufgezeigt und im Aktionsbündnis Neue Soziale Medien mit einer Petition und in Gesprächen mit der Hochschulrektorenkonferenz argumentiert, warum Hochschulen beispielsweise von X zu Mastodon wechseln sollten. Eine Anleitung dafür, wie der Umstieg gelingt, haben wir gleich mitgeliefert und Friedrich Merz bekam zum Start in seine Kanzlerschaft symbolisch einen Mastodon-Account geschenkt.
Wir können vom Weg in die digitale Plattform-Oligarchie noch abbiegen. Projekte wie die Wikipedia, Open Street Map und das Fediverse zeigen, dass das Internet auch anders funktionieren kann. Im Interesse von gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischer Kultur sollte die Bundesregierung diese und weitere gemeinwohlorientierte Alternativen fördern.Franziska Heine Geschäftsführende Vorständin Wikimedia Deutschland
Im Aktionsbündnis Neue Soziale Medien haben wir außerdem in Kooperation mit dem Bundesministerium eine Workshop-Reihe zu Plattform-Alternativen und nachhaltigerer Digitalisierung durchgeführt. Hier ging es unter anderem darum, zu erklären, wie Wikipedia funktioniert, und potenziellen Nutzenden den Einstieg ins Fediverse zu erleichtern.
Vernetzung und internationales Engagement
Wikimedia Deutschland war auch 2025 eng in globale digitalpolitische Prozesse eingebunden und hat sich in internationalen Gremien eingebracht – denn Wikipedia ist ein globales Projekt, das der globalen Mitgestaltung von Digitalpolitik bedarf. Als größte Organisation in der weltweiten Wikimedia-Bewegung nach der Wikimedia Foundation bringen wir uns als starke Stimme für das freie und offene Internet ein. Der Austausch mit Partnerorganisationen innerhalb der Wikimedia-Bewegung und darüber hinaus spielte dabei eine zentrale Rolle. Gemeinsam haben wir auf nationalen und internationalen Veranstaltungen politische Entwicklungen analysiert, Strategien abgestimmt und Erfahrungen geteilt – von Fachkonferenzen wie beispielsweise der re:publica in Berlin bis hin zu Formaten wie dem UNESCO Global Forum On The Ethics Of AI.
Damit Wikipedia für alle zugänglich bleibt, müssen wir uns mit Menschen aus anderen Ländern austauschen und uns in internationalen Prozessen einbringen. Es gibt dafür ganz unterschiedliche Foren, in denen wir als Zivilgesellschaft mitsprechen – zum Beispiel beim Global Digital Compact, mit dem die Vereinten Nationen Regeln für ein sicheres und offenes Internet definieren wollen, oder im Rahmen des Weltinformationsgipfels.Sophia Tawonga Longwe Projektmanagerin Politik bei Wikimedia Deutschland
Ausblick: Freies Wissen braucht politisches Engagement
Das Jahr 2025 hat deutlich gemacht, dass Freies Wissen keine Selbstverständlichkeit ist. Es steht unter wachsendem Druck – politisch, wirtschaftlich und technologisch. Umso wichtiger ist es, dass wir die Rahmenbedingungen mitgestalten. Daher werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass Wikipedia ein Ort bleibt, an dem Wissen frei, unabhängig und verlässlich zugänglich sein kann. Denn eine demokratische Gesellschaft braucht eine informierte Öffentlichkeit – und diese braucht frei zugängliches und von Menschen geprüftes Wissen.
Publikationen
Grundrechte im Digitalen
Unsere Grundrechte gelten auch im Internet, etwa auf Social Media oder Online-Marktplätzen. Doch wie lassen sie sich wirksam schützen? Dieser Frage widmet sich das Buch „Grundrechte im Digitalen“. In verschiedenen Beiträgen werden Lösungen für Themengebiete wie digitale Überwachung, Künstliche Intelligenz oder digitaler Gewaltschutz vorgestellt.
Generative KI für die Verwaltung?
Was unterscheidet generative KI-Systeme von logik- oder regelbasierten KI-Anwendungen? Warum sollte die öffentliche Hand die Potenziale von regelbasierten Systemen kennen und sie nutzen? Und welche Chancen ergeben sich daraus für Open Data, Verwaltungsmodernisierung sowie digitale Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit? Die Handreichung liefert Antworten.
Das braucht gute Bildung jetzt
Wikipedia hat den Zugang zu Wissen revolutioniert, weil sie jederzeit für alle frei nutzbar ist. Das fördert auch einen gerechten Zugang zu Bildung. Doch welche Rolle spielt Wikipedia heute in Schulen? Welche digitalen Angebote nutzen Lehrkräfte und Schüler*innen zur Wissensvermittlung? Die Broschüre bündelt Erkenntnisse und bildungspolitische Empfehlungen.
Praxisleitfaden: Mit freien Lizenzen Kultur, Wissenschaft und Bildung
Wie können öffentliche Institutionen aus Wissenschaft, Bildung und Kultur ihre Inhalte mit freien Lizenzen für alle frei zugänglich machen? Das zeigt der Leitfaden „Open Content. Navigating Creative Commons Licenses“ von Dr. Till Kreutzer, den Wikimedia Deutschland gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission im Jahr 2025 herausgegeben hat.
Informationsfreiheit für Wikipedia
Informationsfreiheit – das Recht auf Zugang zu staatlichen Informationen – ist zentral für Transparenz und demokratische Teilhabe. Auch für Wikipedia sind staatliche Informationen wichtig, da sie direkt oder indirekt für Artikel genutzt werden. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Informationsfreiheit weit zurück. Was sich ändern sollte, zeigt diese Publikation.