Movement Strategy – Wikimedia 2030

3 Fragen an Nicole Ebber

Director Movement Strategy and Global Relations bei Wikimedia Deutschland

Bis 2030 soll Wikimedia die zentrale Infrastruktur für Freies Wissen im Netz werden. Welche Schritte sind 2021 für die Umsetzung dieser Movement Strategy unternommen worden? 

Eine zentrale Säule ist die Governance-Reform, also die Frage: Wie können wir die Strukturen unseres Movements so umbauen, dass wir in der Lage sind, erfolgreich auf 2030 hinzuarbeiten? Es wird uns nur gelingen, die Welt zu verändern und zu verbessern, wenn wir auch unsere eigenen Entscheidungswege reformieren. Ein Baustein ist die „Movement Charter“, in der die Rollen und Verantwortlichkeiten für alle Mitglieder und Einheiten der Bewegung definiert werden sollen – einschließlich der Errichtung eines „Global Councils“, eines globalen Rats, der das Movement führt.

2021 ist nun ein internationales Komitee gebildet worden, das diese Charta schreibt. Es besteht aus 15 Personen – Vertreter*innen der Freiwilligen-Communitys, Mitarbeitende von verschiedenen Wikimedia-Chaptern und der Wikimedia Foundation in den USA. In einem offenen, transparenten und partizipativen Prozess wird jetzt ein erster Entwurf erarbeitet.

Es wurden zuletzt auch 10 Handlungsempfehlungen beschlossen, die helfen sollen, die strategische Ausrichtung zu erreichen. Auf welche konzentriert sich Wikimedia Deutschland?

Wir haben die Empfehlung „Sicherstellung der Gerechtigkeit bei der Entscheidungsfindung“ ins Visier genommen – und 2021 ein Papier mit zwei Szenarien für die mögliche zukünftige Führung unseres Movements veröffentlicht. Der minimale Entwurf sieht vor, ein Beratungsgremium zu schaffen, das dem Board of Trustees der Wikimedia Foundation in globalen Entscheidungsprozessen zur Seite steht – ein Gremium, das als Schnittstelle zu den nationalen Chaptern und Communitys fungiert und deren Anliegen Gehör verschafft.

Das maximale Szenario wäre, eine ganz neue Organisation zu gründen, in der sich tatsächlich alle Teile des Movements als Mitglieder repräsentiert fühlen – mit einem Entscheidungsgremium, in dem die Wikimedia Foundation nicht mehr die Hoheit hätte, sondern eine gleichberechtigte Stimme unter vielen wäre. Dieser Vorschlag ist angelehnt an die Strukturen vieler internationaler NGOs, etwa Amnesty International oder Greenpeace International. 

Welche weiteren Wegmarken sind zu verzeichnen?

Im Zuge der Governance-Reform gab es 2021 viele Diskussionen über die Gründung von Hubs – regionale und thematische Knotenpunkte, die die Zusammenarbeit erleichtern und Synergien schaffen sollen. Man kann sich diese Hubs wie Dachorganisationen vorstellen, die Ressourcen für die gemeinsame Arbeit an den gleichen Zielen bündeln. Ein Beispiel ist „Wikimedia Europa“. Dazu finden bereits Gespräche statt, in denen sich Wikimedia Deutschland sehr engagiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Der „Universal Code of Conduct“, der Verhaltenskodex, den wir uns als Bewegung gegeben haben, wurde 2021 wiederum von einem ehrenamtlichen Komitee in einer Umsetzungsrichtlinie konkretisiert. Es geht darum, dass wir für Menschen eine Umgebung schaffen – virtuell sowie analog – in der sie sich sicher, geschützt und willkommen fühlen. Wikimedia Deutschland hat dazu bereits gute Konzepte. Aber dieser Kodex und die Richtlinie, auf die sich das gesamte Movement verständigt, besitzen einen hohen symbolischen Wert und bedeuten in meinen Augen einen großen Fortschritt.