Projekte des Programmjahres 2025/2026

  • Anton Wilhelm Amo Audio Erbschaft Archive

    Das Projekt erforschte Leben, Werk und Nachwirkung von Anton Wilhelm Amo (ca. 1703 bis nach 1753), dem ersten bekannten afrikanischen Philosophen an europäischen Universitäten, in einem postkolonialen Kontext. Ein digitales Audioarchiv machte Erinnerungen von Wissenschaftler*innen, Kulturschaffenden und Aktivist*innen hörbar. Es entstanden Audio-Produktionen, Workshops, Übersetzungen und Printmaterialien, die historische Quellen mit zeitgenössischen Stimmen verbinden. Das Archiv fördert Wissensaustausch, kulturelle Teilhabe, Mehrsprachigkeit und Barrierefreiheit und sensibilisiert für Kolonialgeschichte und Rassismus. Die Inhalte sind online frei zugänglich und dienen als Grundlage für Bildungsarbeit, Forschung und globale Auseinandersetzung mit Amos Leben und Werk.

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  • Zugehört & … Zugehörig? Kinder erzählen!

    Das Projekt dokumentierte die Erfahrungen von Kindern mit Migrationsgeschichte an deutschen Schulen. Viele erleben Rassismus im Alltag, was ihr Wohlbefinden und ihre Lernleistung beeinträchtigt. Das Projekt gab ihnen eine Stimme und untersuchte, wie Zugehörigkeit Selbstwertgefühl und Teilhabe stärkt. Ein mehrsprachiger, selbst entwickelter KI-Interviewassistent führte Gespräche in der bevorzugten Sprache der Kinder, ergänzt durch Videoaufnahmen und Porträts. Die Materialien sind auf einer Website veröffentlicht und zeigen, wie Kinder Diskriminierung erleben, Resilienz entwickeln und was sie sich von Schule und Gesellschaft wünschen.

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  • Resilient Voices Visual Archive

    Das Fotografie- und Storytelling-Projekt stellte queere BIPoC, Frauen* in Berlin und Brandenburg ins Zentrum. Ihre Lebensrealitäten und kulturellen Ausdrucksformen, die in öffentlichen Archiven kaum sichtbar sind, wurden in Fotografien dokumentiert und durch Essays von Community-Mitgliedern ergänzt. Das entstandene Archiv stellt Würde, Authentizität und Vielfalt in den Mittelpunkt und sammelt mündliche Erinnerungen und Reflexionen über Resilienz, Herkunft und queere Befreiung. Queere BIPoC leiteten das Projekt und behielten die Kontrolle über ihre Inhalte. Alle Materialien stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz auf Wikimedia Commons und sind frei nutzbar. Eine Veranstaltung in Berlin lud Community und Öffentlichkeit zum Austausch ein.

    Projektergebnisse:

  • Rabelades Farm

    Rabelades Farm ist ein agrarökologisches Projekt queerer Schwarzer Menschen in Brandenburg. Es machte afrikanische indigene Boden- und Wasserschutztechniken wie Fanya Juu, Fanya Chini und die Halbmond-Methode sichtbar. In monatlichen BIPoC-Community-Aktionen wurde ein erosionsgefährdetes Gelände mit diesen gemeinschaftlichen, niedrigschwelligen Methoden umgestaltet. Das Projekt rückte afrikanische Beiträge zu nachhaltiger Landwirtschaft in den Mittelpunkt, die in westlich geprägten Erzählungen oft zu wenig Beachtung finden, und förderte Fähigkeiten, Solidarität und Selbstermächtigung in BIPoC-Communitys. Das Projekt ist in einem knapp achtminütigen Video dokumentiert, das auf YouTube unter einer freien Lizenz veröffentlicht ist.

    Projektergebnisse:

  • Maghreb Stimmen

    „Maghreb Stimmen“ dokumentierte die Lebensrealitäten von Menschen aus Marokko, Algerien und Tunesien in Deutschland. Ziel war es, die Erfahrungen von Gastarbeiter*innen und ihren Nachkommen sichtbar zu machen, bevor Zeitzeug*innen verloren gehen. Die Interviews auf Deutsch, Arabisch (Darija) und Tamazight behandeln Rassismus, Gender, soziale Teilhabe und Klassenunterschiede. Sie sind in einer Handreichung zusammengeführt, die auf Wikimedia Commons veröffentlicht ist, um breiten Zugang zu ermöglichen und interkulturellen Austausch zu fördern. So entstand eine dauerhafte Sammlung individueller Geschichten, die das Verständnis für die Maghreb-Community stärkt.

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  • MigraMemory: Women of Change

    Das Projekt machte Erfahrungen von Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt in Deutschland sichtbar und stellte ihre Perspektive in den Mittelpunkt. Entstanden ist ein journalistisches Videoformat mit drei Folgen. Christina Feist, Überlebende des antisemitischen Anschlags in Halle und Journalistin, spricht über betroffenenorientierte Berichterstattung und selbstbestimmte Narrative. Serpil Temiz Unvar erzählt sechs Jahre nach dem Anschlag in Hanau von Erinnerungskultur, staatlichem Versagen und dem Erbe ihres Sohnes Ferhat. Die dritte Folge widmet sich dem Brandanschlag in Solingen 2024 und dem Umgang mit den Überlebenden. Alle Folgen sind auf YouTube unter freier Lizenz veröffentlicht. Die Videos zeigen handlungsstarke Formen des Widerstands gegen Rassismus und des Engagements für demokratische Teilhabe, jenseits medialer Reduktionen auf Betroffenheit oder Opferrollen.

    Projektergebnisse:

  • Klang der Erinnerung – Pflege, Verlust und Musik in alevitischen Gastarbeiterfamilien

    Das Projekt gab alevitischen Erwachsenen der „1. Generation Gastarbeiterkinder“ Raum, ihre Familiengeschichte zu erzählen. Viele hatten ihre aus Anatolien stammenden Eltern bis zum Lebensende gepflegt. Ein roter Faden war die Musik der Aleviten, oft melancholisch und in Zazaki, die von Trennung, Verlust und harter Arbeit erzählt. Für die Kinder ist sie ein Erinnerungsanker, der Trost spendet und über den Tod hinaus mit den Eltern verbindet. Interviews, Musikaufnahmen und Fotos wurden unter freier Lizenz veröffentlicht. Eine Wanderausstellung mit Porträts, Zitaten und QR-Codes zu Musikstücken steht Schulen, Vereinen und Kulturzentren kostenlos zur Verfügung.

    Projektergebnisse:

  • Archiving Vietnamese orphan humanitarian scholarship receivers in West Germany (1971 – 1973)!

    Das Projekt dokumentierte die Erfahrungen vietnamesischer (Halb-)Waisen, die Anfang der 1970er Jahre für eine Berufsausbildung nach Westdeutschland kamen. Wegen des Endes des Vietnamkrieges mussten sie bleiben und lebten jahrzehntelang mit rechtlicher Unsicherheit. Ihre Geschichten, geprägt von humanitären Organisationen, deutschen Institutionen und südvietnamesischen Behörden, sind in der vietnamesisch-deutschen Diasporageschichte kaum dokumentiert. Da diese Generation altert, drohen ihre Erinnerungen verloren zu gehen. Das Projekt führte Interviews, recherchierte in Archiven und besuchte relevante Institutionen. Die Ergebnisse wurden auf einem Blog auf Vietnamesisch, Englisch und Deutsch unter freier Lizenz veröffentlicht.

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  • Archive of waiting

    Dieses „lebende Archiv“ machte die oft unsichtbare Verortung von Migration und Zugehörigkeit in Visa- und Aufenthaltsverfahren sichtbar. Gemeinsam mit Berliner Bewohner*innen mit befristetem Aufenthaltsstatus sammelte das Projekt Audio-Interviews, fotografische Porträts, Briefe und informelle Dokumente, um zu verstehen, wie der andauernde Schwebezustand Identität, Zeitwahrnehmung, Stabilität und Wohlbefinden beeinflusst. Die Ergebnisse wurden als Fotoserie, in ortsspezifischen Formaten und auf einer digitalen Plattform präsentiert. So gab das Projekt den Menschen hinter den Zahlen ein Gesicht und förderte Empathie und Austausch. Alle Materialien sind unter freier Lizenz veröffentlicht.

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  • Archive des kolonialen Rassismus: Hintergründe des deutsch-chilenischen Kolonialismus auf dem Mapuche Territorium

    Das Projekt beleuchtete deutsche und chilenische Kolonialgeschichte aus Mapuche-Perspektive. Im 19. Jahrhundert besetzten Chile und Argentinien mit Unterstützung deutscher Siedler*innen Mapuche-Territorien, während Wissenschaftler Schädel für rassistische Studien nach Berlin brachten. Eine Rückgabe der Verstorbenen hat bisher nicht stattgefunden. Aufbauend auf Tamara Liencuras Masterarbeit wurden die Ergebnisse verständlich aufbereitet: als digitale Handreichung auf Deutsch und Spanisch, ergänzt durch Archivrecherche und Fotografien relevanter Orte. Das Material ist auf Wikimedia Commons veröffentlicht und richtet sich an Mapuche-Selbstorganisationen sowie Menschen ab 15 Jahren, die sich für machtkritische Perspektiven interessieren.

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Projekte des Programmjahres 2024/2025

  • Hast du schon gegessen?

    Vietnamesische Restaurants sind in deutschen Großstädten weit verbreitet, bieten aber oft nur Gerichte an, die dem Klischee vom „asiatischen Essen“ entsprechen. So bleiben die Vielfalt der vietnamesischen Küche und das kulturelle Wissen darum unsichtbar. Das Projekt machte vietnamesische Esskultur in der Diaspora im Kontext von Kolonial- und Migrationsgeschichte sichtbar, um bestehende Narrative zu dekonstruieren. In Workshops entstand eine kollektive Tischdecke, die persönliche Geschichten und Rezepte dokumentiert und eine selbstbestimmte Esskultur fördert. Die Ergebnisse sind auf einer Website als fortlaufende Sammlung in Text, Audio und Video veröffentlicht.

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  • Fragmente des Alter(n)s in der Migrationsgesellschaft

    Das Projekt untersuchte die gesellschaftlichen, ökonomischen und individuellen Bedingungen für ein würdevolles Altern von migrierten und migrantisierten Menschen in Deutschland. Im Mittelpunkt standen die gelebten Erfahrungen und Selbsterzählungen von Menschen mit Migrationsgeschichte, besonders von Mehrfachdiskriminierung Betroffener. Anhand der (Arbeits-)Biografien migrantisierter Rentner*innen und solcher, die es bald sein werden, fragte es, welcher institutionelle Rahmen für sie vorgesehen ist und welche Imaginationen es noch braucht. Das geteilte Wissen ist über eine Website zugänglich und dient dem intergenerationellen Austausch.

    Projektergebnisse:

  • Clocking In, Dreaming On

    Clocking In, Dreaming On ist ein Projekt, das sich in verschiedenen Formaten mit den Lebensrealitäten und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen von migrantischen Einkaufs- und Essenslieferant*innen in Deutschland auseinandersetzt. Mit einem Fokus auf Fahrer*innen und Lieferant*innen speziell in Berlin wurden die prekäre Natur ihrer Beschäftigung und die systemischen Probleme, die zu ihrer Marginalisierung führen, aber weitgehend unerforscht sind, beleuchtet. Durch eine Kombination aus Podcasts, Videos, Ausstellungen und Online-Engagement wurde Wissen in verschiedenen zugänglichen Formaten und unter freien Lizenzen verbreitet. Dieser Ansatz zielte nicht nur darauf ab, Beweise und Erkenntnisse zu diesem Thema zu dokumentieren und zu bewahren, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen, Aktivist*innen und Gewerkschaften zu ermutigen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und sich dafür einzusetzen.

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  • Hold the Line: Filipino Family stories of resistance generations apart

    Hold the Line: Filipino Family stories of resistance generations apart ist ein Projekt, das sich als Aufruf an die philippinische Diaspora in Deutschland versteht, die mit Ausbeutung und Diskriminierung in Verbindung mit kolonialer Mentalität konfrontiert ist, aus ihrer Geschichte und ihrem Erbe Kraft zu schöpfen und die Träume ihrer Vorfahren zu verkörpern. Das Projekt setzte sich mit der intergenerationellen Geschichte des philippinischen Widerstands auseinander und thematisierte damit auch, was dies für junge Aktivist*innen in der heutigen Zeit bedeutet. Dies geschah durch die Dokumentation von Familienerinnerungen der Geförderten während der People’s Power Revolution auf den Philippinen, deren Gegenüberstellung mit Geschichten von jungen philippinischen Aktivist*innen in Deutschland und der Erkundung von Berührungspunkten zwischen diesen Geschichten. Die Ergebnisse wurden in Video-Essays präsentiert, die Filmmaterial mit Archivmaterialien und Audioaufnahmen von Familiengeschichten kombinieren und durch einen dekolonialen Ansatz die gelebten Erfahrungen mit historischen Fakten verweben.

    Projektergebnisse:

    • …wird noch ergänzt
  • The Seen but Unseen: Video Essays

    Visuelle Bilder prägen unser Selbstverständnis. Für Schwarze Menschen spielt Fotografie dabei eine besonders kraftvolle Rolle: Sie beeinflusst, wie sie wahrgenommen werden. Historisch haben Fotografien Stereotype geschaffen, die oft nicht ausreichend hinterfragt wurden. In einer Welt voller Bilder durch soziale Medien und Konsum ist die Auseinandersetzung damit wichtiger denn je. Geplant war eine dreiteilige Video-Essay-Reihe, die den kolonialen Blick und seinen anhaltenden Einfluss, die (Re-)Imagination einer neuen Schwarzen Bildsprache und die Rolle der Fotografie als Werkzeug für Empowerment und Widerstand beleuchten sollte. Der erste Teil ist auf YouTube unter einer freien Lizenz  erschienen.

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  • Romani Gedächtnis an Samudaripen

    Das Projekt eröffnete transgenerationale und plurale Erinnerungswege von Rom*nja und Sinti*zze an den Samudaripen. Durch Besuche von Orten der Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus in Serbien und Jasenovac wurden die Lebens-, Leidens- und Todeswege von Vorfahren in Deutschland lebender Romnja recherchiert und mit community-basiertem Wissen und Erinnerungen vor Ort biografisch aufgearbeitet. In Serbien entstanden Videointerviews mit Vertreterinnen von Romnja-Selbstorganisationen, der zweiten Generation der Überlebenden und heutigen Nachkommen. Sie wurden in einem digitalen Workshop mit Aktivistinnen unter der Fragestellung „Wie plurales Gedächtnis an den Samudaripen präsentieren?“ diskutiert. Teile des Wissens sind unter CC BY-SA 4.0 auf romanorisparipe.de veröffentlicht.

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  • Palästinensisches Feministisches Archiv

    Palästinensische Geschichte und Gegenwart sind in Deutschland weitgehend unsichtbar, obwohl in Berlin die größte Diasporagemeinschaft Europas lebt. Das Wissen über Palästinenser*innen ist geprägt von kolonial aufgeladenen Begriffen, Bildern, Gesetzen und Straßennamen. Diese diskursive Gewalt überschreibt Geschichte, Gewalterfahrungen und Widerstände und kriminalisiert palästinensische Existenz. Ein feministisches palästinensisches Kollektiv, das Geschichte in Deutschland archiviert, entwickelte im Rahmen von re·shape einen Leitfaden zur Archivarbeit, der unter freier Lizenz veröffentlicht ist. In Workshops wurden Methoden und ethische Aspekte von Interviews und Veröffentlichungen erarbeitet. So zeigte das Projekt, wie Archivierung für eine marginalisierte Community angesichts staatlicher Repression aussehen kann.

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  • Punch Up TV

    „Punch Up TV“ führte den seit 2018 von Newroz Çelik herausgegebenen Podcast Punch Up fort. Der Podcast behandelt Transfeindlichkeit, Gentrifizierung, Polizeigewalt und soziale Bewegungen. Mit mehr technischen und redaktionellen Ressourcen sollten die audiovisuelle Qualität steigen und neue Zielgruppen erreicht werden, mit BIPoC Transmenschen im Mittelpunkt. Entstanden ist die Folge „Die Würde der Menschen wird jeden Tag angetastet“ mit Gast Koray Yılmaz-Günay, mit der Punch Up ein neues Videoformat startete. Thema sind die Bundestagswahl 2025 und Staatsbürgerschaft in Deutschland. Die Folge ist auf YouTube unter freier Lizenz veröffentlicht.

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  • Archiving the testimonies of survivors of the Mediterranean

    Laut Missing Migrants Project der Internationalen Organisation für Migration sind seit 2014 rund 33.000 Migrant*innen im Mittelmeer gestorben oder verschwunden, vor allem Menschen aus Ländern südlich der Sahara mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten. Die Medien berichten meist nur über das Verschwinden, kaum aber darüber, wie Menschen überleben und Europa erreichen. Das Projekt archivierte die Berichte der Überlebenden über ihre herausfordernden Reisen und ihre Erfahrungen mit Bürokratie und Rassifizierung in Deutschland und dokumentierte ihre Widerstandskraft in einer mehrteiligen Podcast-Reihe, die unter einer freien Lizenz veröffentlicht ist. So machte es die Stimmen der Überlebenden sichtbar.

    Projektergebnisse:

  • Gemeinsam für unsere Zukunft! Jugend gegen Rassismus und Krieg

    Das Projekt wollte Jugendliche befähigen, ihre soziale Realität und ihr Umfeld durch Fotografie und Videodokumentation einzufangen und zu reflektieren. In Workshops lernten sie über Fotografie, Videografie, Storytelling und Dokumentation. Veranstaltungen machten politisches Jugendengagement gegen Rassismus und Militarismus sichtbar. Anschließend setzten sie das Gelernte um und dokumentierten Veranstaltungen, Workshops und ihr Zusammenleben. Das Projekt zeigte, wie Jugendliche lernen, solidarisch statt in Konkurrenz und Abspaltung voneinander zu leben, und dass sie ihre Welt kritisch und kreativ reflektieren und dokumentieren können.

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Projekte des Programmjahres 2023/2024

  • Antikolonialer Raum Köln
    Muriel Gonzales Athenas / Amdrita Jakupi

    Viele, insbesondere queere, BIPoC haben im gegenwärtigen städtischen Umfeld Kölns nur begrenzt oder keinen Zugang zu Räumen, um dekoloniale und antirassistische Gesellschaftsperspektiven zu entwickeln. Das Projekt war Teil eines antirassistischen Stadtteilprojekts in der Kölner Südstadt. Muriel Gonzales Athenas und Amdrita Jakupi wollten einen physischen dekolonialen Raum für ein Netzwerk aus BIPoC schaffen, die in unterschiedlichen antirassistischen, sozialen und politischen Gruppen aktiv sind. Dieser Antikoloniale Raum in Köln sollte als eine neue und dringend notwendige Begegnungsplattform dienen. Im Zentrum stand das Wohlbefinden der Beteiligten im Bündnis, wobei toxische Leistungsdruck-Muster des deutschen Aktivismus durch eine aktive Praxis, die dem entgegensteht, sowie durch Austausch- und Gesprächsräume und eine gemeinsame Analyse „unterbrochen“ bzw. transformiert werden sollten.

    Das Projekt strebte danach, Methoden der transformativen Gerechtigkeit in der Community auszuprobieren, zu lernen und zu verbreiten. Der physische Raum sollte den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zwischen den Menschen, die dort zusammenkamen, ermöglichen. Der Raum sollte ein Ort der Zuflucht, der Sicherheit und des Zusammenkommens sein und damit den Aktiven ermöglichen, sich zu erholen und zu regenerieren. Eine generationenübergreifende Teilnahme wurde angestrebt, unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung, Bildungshintergrund und anderen soziodemografischen Merkmalen.

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  • Audiofeature James Baldwin
    Christopher Nixon
    www.christopher-nixon.de

    James Baldwin zählt zu den bedeutendsten afroamerikanischen Schriftsteller*innen. Die Neuübersetzung seiner Werke bei dtv findet derzeit bei einem breiten Publikum in Deutschland großen Zuspruch. Diese ‚Baldwin-Renaissance‘ beteiligt Schwarze Schriftsteller*innen, Übersetzer*innen und Communitys nicht, obwohl seine Romane, Essays und Gedichte lange schon zu deren individueller wie kollektiver Identitätsfindung in ihrem Alltag von Ausgrenzungs- und Rassismuserfahrungen beitrugen.

    Gerade für Queers of Color boten seine Werke den Blick in eine Welt, in der ihre Erfahrungen Sprache und Form bekamen und Hoffnung auf „Ein anderes Land“ machten. Seine Werke sorgten für die Sichtbarkeit einer intersektionalen Vielstimmigkeit von Schwarzen Lebensweisen, die auch die Communitys of Color und Baldwins Weggefährt*innen nicht immer anerkennen wollten. Während die globalen Märkte weiterhin für den Profit des Globalen Nordens Menschen verdingen, erleben wir in der Post-Trump-Ära und in dem vom Rechtspopulismus hierzulande bestimmten politischen Klima einen Backlash. Er richtet sich vor allem gegen Queers of Color und macht das Hören der mahnenden wie hoffnungsvollen Stimme Baldwins erneut wichtig.

    Es entstand deshalb ein Audiofeature, das die intersektionale ‚Schwarze Queerness‘ in Baldwins Werk herausarbeitet und neu bewertet. Dabei wird ebenfalls deutlich, dass queere Schwarze Menschen wie James Baldwin, Audre Lorde und Katharina Oguntoye sowohl die US-amerikanische als auch afrodeutsche Antirassismusbewegung prägten. Das Audiofeature enthält Interviews mit Expert*innen und Aktivist*innen, Archivmaterial, von Schauspieler*innen eingesprochene Passagen aus Romanen und Gedichten, Sounds und Musikstücke. Diese ‚Fragmente‘ wurden zu einem Collage-Stück zusammengefügt.

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  • Mondkuchen
    Tú Qùynh Nhu Nguyễn / Sara Djahim

    Das Projekt bildete die Vielfalt an Widerstandspraxen und -strategien der ersten Generation von Migrant:innen und Geflüchteten ab. Im Mittelpunkt stand dabei der Gedanke, dass nicht nur transgenerationale Traumata, sondern auch Resilienz, Wissen/Weisheit, Lebenswille und Freude überliefert werden. Auf dem Blog Mondkuchen wurde dieses bisher unsichtbar gemachte Wissen über Überlebensstrategien und alltägliche Praktiken des Widerstands gesammelt. Mondkuchen umfasst verschiedene Formate, einschließlich schriftlicher Beiträge wie Essays, Interviews und Lyrik, aber auch Videos, Fotos und Illustrationen.

    Das Projekt begann im Rahmen von re•shape mit dem Launch der Webseite, die langfristig als offene Plattform genutzt wird. Sie dient den Communitys, um gemeinsame Themen und unterschiedliche Praktiken besprechbar zu machen, und bringt die Wertschätzung und Achtung zum Ausdruck, die diesen Wissensbeständen und denjenigen, die vor uns kamen, zusteht.

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  • Care & Support-Systeme in Zeiten von Krisen
    Xinan Pandan

    Menschen, die von Rassismus und/oder Migrationserfahrungen, Be_hinderung, chronischen Erkrankungen, Queerfeindlichkeit, Traumata oder abusiven Herkunftsfamilien betroffen sind, haben oftmals einen stärkeren Bedarf nach Unterstützung, die ihnen aber kaum zugänglich ist. Das Projekt entwickelte ein kostenfrei herunterladbares Arbeitsbuch in Form eines illustrierten Zines zum Thema Support-Systeme für marginalisierte Communitys.

    Das Arbeitsbuch dient als Ressource für Input sowie Methoden, um den Aufbau von Support-Systemen zu unterstützen. Es richtet sich primär an Menschen, die nicht an Workshops teilnehmen möchten oder können. Das Arbeitsbuch enthält eine Kombination aus Beiträgen, Anekdoten, Illustrationen, Beispielen, Reflexionsmethoden und Schreibaufgaben.

    Im Fokus standen einerseits die Ermächtigung, individuelle Veränderungen im Handlungsspielraum anzugehen, und andererseits die strukturelle Diskriminierung. Gefordert wurden umfassendere politische Lösungen, um die Lebenssituation für alle zu verbessern.

    Ziel war es, Empowerment zu fördern, Handlungsfähigkeit zu stärken, Community-Verbindungen zu vertiefen und marginalisierten Menschen zu ermöglichen, ein gutes Leben zu führen.

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  • Forschungsethik: Philosophie mit ethnografischer Sensibilität
    Mino

    Die Ethnografie hat im Bereich der Philosophie und in der Wissenschaft im Allgemeinen Aufmerksamkeit gewonnen. Sie gilt als attraktive Alternative gegenüber abstrakten Theorien oder veralteter Literatur, welche auf problematischen Annahmen über marginalisierten Gemeinschaften beruhen. Die Geschichte und das Erbe von Ethnografie als eine Methode, die sich aus dem europäischen Kolonialismus entwickelt hat, wird jedoch oft nicht thematisiert. Sie diente dazu, hierarchische Vorstellungen von Rasse und Kultur zu konstruieren und zu verstärken. Das Projekt zielte darauf ab, Abschnitte einer Masterarbeit zu veröffentlichen, die eine kritische Untersuchung der Ethnographie als Forschungsmethode forderte. Ziel war es, ethische Leitlinien für Wissenschaftler*innen zu entwickeln, die mit marginalisierten Gruppen in Kontakt treten. Das Projekt betonte die Notwendigkeit, die Disziplin der Philosophie auf ihre Rolle bei der Gestaltung von Konzepten wie Race zu überprüfen, die historisch gesehen für kolonialistische und rassistische Rechtfertigungen konstruiert wurden.

    Das Projekt diente dazu, komplexe akademische Sprache in verständlichere Begriffe umzuwandeln, um den Inhalt einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Obwohl der Hauptfokus auf Wissenschaftler*innen und deren Interaktionen mit marginalisierten Gruppen lag, können die Erkenntnisse des Projekts auch Journalist*innen, Künstler*innen, Filmemacher*innen und anderen von Nutzen sein, die sich auf kritische und respektvolle Weise mit marginalisierten Gruppen auseinandersetzen möchten. Dabei ging es auch darum, auf Machtungleichheiten und die Möglichkeit der Ausbeutung von marginalisierten Gruppen zu achten.

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  • Mujeres migrantes invisibles [unsichtbare migrantische Frauen]

    Antonia Ramos Posto, Yolanda Justina, Nina Becerra und Llanquiray Painemal Morales hatten bisher ohne Unterstützung an der Sichtbarmachung von Migrantinnen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Berlin gearbeitet. Im Projekt erstellten sie einen Podcast über die Situation sogenannter undokumentierter, illegalisierter und irregulärer Migrantinnen. In einem Workshop lernten die Beteiligten, wirksame Interviewfragen zu formulieren und mit Aufnahmegeräten und Mikrofonen umzugehen. Anschließend entwickelten sie Fragen und Themen und machten sich mit kostenloser Podcast-Software und frei nutzbarer Musik vertraut. Die Aktivistinnen stellten die Interviews zu vier Episoden zusammen, die auf Spotify veröffentlicht sind. So erwarben sie technische Fertigkeiten für ihre künftige politische Arbeit.

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  • Social Media und Freie Lizenzen
    KARAKAYA TALKS

    KARAKAYA TALKS (www.instagram.com/karakayatalks) ist ein Medienunternehmen, das News und Talkshows für deutschsprachige Millennials und Gen Zs of Color produziert. Ihr Ziel ist es, marginalisierte Perspektiven in Deutschland sichtbar zu machen, da diese in den Medien oft vernachlässigt werden. Obwohl 27 % der deutschen Bevölkerung BIPoC sind, werden diese Communitys in den Medien kaum repräsentiert und wenn doch, dann oft in stereotypen Zusammenhängen. Das Team von KARAKAYA TALKS besteht zu 100 % aus mehrfach marginalisierten BIPoCs und nutzt hauptsächlich Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube, um Inhalte zu verbreiten.

    Mit der Teilnahme an re•shape verstärkten sie zum einen ihre Präsenz auf Social Media und produzierten weiterhin Inhalte, die in der Mainstream-Medienlandschaft oft ignoriert werden. Zum anderen lernten sie, wie Wikipedia-Artikel entstehen, um ihr journalistisch erarbeitetes Wissen zu dokumentieren und ihre Arbeit selbstbestimmt auf Wikipedia zu beschreiben. Das Programm diente dazu, fehlendes Wissen über „Mediengerechtigkeit“ zu dokumentieren und verzerrte Darstellungen im Netz über Menschen aus marginalisierten Communitys, z. B. auf Wikipedia, zu korrigieren. Die gesamte Initiative zielte darauf ab, die Präsenz und Repräsentation von BIPoC-Communitys in den Medien zu stärken und deren Wissen eigenständig zu dokumentieren und unter freier Lizenz zu verbreiten.

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  • T*R*A*P*$ Academy
    Lee Modupeh Anansi Freeman / Farah Abdullahi Abdi

    Das TRAP$ Academy-Projekt widmet sich der Formalisierung und Weitergabe von Wissen innerhalb der Black Trans/GNC (Gender Non-Conforming) Community. Gegründet im Jahr 2021, ist TRAP$ eine Graswurzel-Organisation, die von Schwarzen/afro-diasporischen trans* und gender-varianten Personen ins Leben gerufen wurde. Diese Community erfährt oft Marginalisierung innerhalb breiterer Schwarzer Bewegungen und Unsichtbarkeit innerhalb (weißer) queerer Bewegungen. Das Hauptziel der Akademie ist es, eine intersektionale und kritische „Train-the-Trainer“-Ausbildung anzubieten, um Schwarze trans* Personen zu stärken und Aspekte von Geschlecht, race, Klasse, Macht und Privilegien anzusprechen.

    Der Lehrplan wurde von Farah Abdullahi Abdi und Lee Modupeh Anansi Freeman erstellt, die beide Berater*innen für Vielfalt und Inklusion sind. Der Lehrplan behandelt wichtige Themen wie Asyl/Migration, (Trans-)Misogynoir, Transphobie, Colorism und Ableismus. Das Programm umfasste immersive Workshops, die tief in spezifische Themen eintauchten, sowie Aufgaben, die von den Teilnehmenden individuell oder in Gruppen bearbeitet wurden. Ziel war es, „formalisiertes“ Wissen in einer sichereren und zugänglichen Umgebung zu vermitteln.

    Die Teilnehmenden wurden mit Werkzeugen ausgestattet, um formales Wissen mit ihren eigenen Lebenserfahrungen zu verknüpfen und bedeutsame Inhalte zu erstellen, die für persönliche Workshops genutzt werden können. Das übergreifende Ziel bestand darin, die gelebten Erfahrungen der Teilnehmenden als wertvolle Wissensquellen zu validieren. Langfristig strebt die Akademie an, die Teilnehmenden mit Fähigkeiten auszustatten, die ihnen eine zusätzliche Einkommensquelle bieten können. Da Schwarze trans* Personen oft Diskriminierung und Schwierigkeiten beim Zugang zu Wissen und traditionellen Arbeitsräumen erfahren, betonte das Projekt den direkten Zusammenhang zwischen Wissensgerechtigkeit und finanziellem Empowerment.

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  • Von Träumen und Traumata zu Selbstorganisation und Widerstand.

    Das Projekt förderte situiertes Wissen in BIPoC-Communitys durch generationsübergreifende Gespräche über Selbstorganisation, Widerstand, politische Praxen, Träume und Traumata. Im Fokus stand, vergangene Erfahrungen in die Gegenwart zu übersetzen und von den Kämpfen älterer Generationen zu lernen. Dafür schuf es Räume für Austausch, die in persönlichen Kontexten oft fehlen, und hinterfragte hegemoniale Machtstrukturen der Wissensproduktion durch alternative Erzählungen von (post-)migrantischem Leben in Deutschland. Aus den in kleinen Gruppen geführten Gesprächen entstand ein Zine, das auf der Plattform The Living Archives veröffentlicht ist. Eine Veranstaltung ermöglichte weitere Begegnungen, schuf Momente der Selbstermächtigung und stärkte das Bewusstsein für Wissen in den Gemeinschaften.

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  • Wūpó Collective Library
    Mandy Lan / Kim Gerlach

    Wūpó Collective ist eine Bibliothek zur Förderung der Sichtbarkeit von BIPoC-Heiler*innen in Berlin. Mit bereits über 50 registrierten Praktiker*innen (von Akupunktur bis Reiki und mehr) hatten Mandy Lan und Kim Gerlach das Ziel, die Bibliothek zu erweitern und gemeinschaftlich empowernde Werkzeuge aus der Community für die Community bereitzustellen. Besonderer Fokus lag dabei darauf, Körperweisheit neben kognitiver Intelligenz besonders zu würdigen. Das Projekt beabsichtigte, eng mit verschiedenen QBIPoC-Praktiker*innen aus ihrem Verzeichnis zusammenzuarbeiten, um Erkenntnisse zu teilen, die Menschen wieder mit ihren Körpern verbinden. Anstatt kurzfristige Retreats oder Veranstaltungen anzubieten, zielte das Projekt darauf ab, Integrationswerkzeuge zu teilen, die lang anhaltende Auswirkungen haben.

    Die Aktivitäten des Projekts umfassten:

    • Die Entwicklung eines kostenfreien Repositoriums, genannt „Wiki des Körperwissens für QBIPoC“. Dieses enthält kurze zweiminütige Übungen im Videoformat.
    • Das Teilen von „Behind the scenes“-Videos, die die Absichten und Praktiken jeder Heiler*in vorstellen und ein tieferes Verständnis ihrer Methoden vermitteln.
    • Die Einrichtung von Feedbackschleifen, um Praktiker*innen zu ermöglichen, sich an die Bedürfnisse der Gemeinschaft anzupassen und zu wachsen, unter Verwendung von KI-Mustererkennung.

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