Sechs Forderungen für eine zeitgemäße Ehrenamtsförderung

Berlin, 30. November 2022 – Zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember fordert Wikimedia Deutschland die Ampelkoalition auf, digitale Ehrenamtliche besser zu unterstützen. Bund und Länder müssen ihre Förderstrukturen dem digitalen Ehrenamt anpassen und die Definition von Gemeinnützigkeit modernisieren.

Christian Humborg, Geschäftsführender Vorstand von Wikimedia Deutschland: „Wer sich im digitalen Raum engagieren möchte, hat genauso Anspruch auf Unterstützung wie bei klassischen Ehrenamtsformen. Aber die aktuellen Förderstrukturen in Deutschland spiegeln das überhaupt nicht wider. In der Abgabenordnung müssen weitere Tätigkeitsfelder als gemeinnützig anerkannt werden. Es braucht dringend eine Reform – für ein zeitgemäßes, digitales Ehrenamt.“

Wikimedia Deutschland hat sechs Maßnahmen identifiziert, um die Ehrenamtsförderung zukunftsfähig zu machen und an die Anforderungen digitalen Engagements anzupassen:

1. Förderstrukturen dem digitalen Ehrenamt anpassen

Digitales Ehrenamt ist oft geprägt durch offene, partizipative Formen der Zusammenarbeit. Digital Engagierte können nicht im gleichen Maße wie klassische Vereine Fördermittel beantragen. Zukünftig muss bei der staatlichen Ehrenamtsförderung der Grundsatz gelten: Weniger Projektförderung und mehr Strukturförderung.

2. Definition von Gemeinnützigkeit modernisieren

Die Liste der Tätigkeitsfelder, die in der Abgabenordnung als gemeinnützig definiert werden, ist veraltet. Neue Engagementformen oder -zwecke werden durch diese Liste benachteiligt. Wikimedia Deutschland fordert, dass auch die Erstellung gemeinwohlorientierter Plattformen, Apps oder Software explizit als gemeinnützig anerkannt wird.

3. Freiwilliges Digitales Jahr – bundesweit

Die bestehenden Konzepte für ein Freiwilliges Digitales Jahr müssen bundesweit eingeführt werden – gleichwertig mit den schon etablierten „Freiwilliges Jahr“-Formaten.

4. Öffentliches Geld – Öffentliches Gut!

Öffentlich finanzierte Inhalte und Daten müssen allen frei zur Verfügung stehen. Daten der öffentlichen Hand können von gemeinwohlorientierten Initiativen genutzt werden, wenn sie offen und maschinenlesbar bereitgestellt werden.

5. Systematischer Wissenstransfer ehrenamtlicher Expertise

Die Erfahrungen digital Ehrenamtlicher müssen systematisch dokumentiert werden und verpflichtend in Digitalisierungsprojekte einfließen. Dieser Wissenstransfer muss sich an den Bedarfen der Ehrenamtlichen orientieren.

6. Vielfalt im digitalen Ehrenamt fördern

Damit sich möglichst viele und unterschiedliche Menschen digital engagieren können, braucht es spezielle Förderangebote für bislang unterrepräsentierte Gruppen. Dazu zählen etwa mehr Mikroförderung und staatliche Unterstützung von Care-Arbeit.

Wikipedia: Das größte digitale Ehrenamtsprojekt in Deutschland

Als Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens unterstützt Wikimedia Deutschland die ehrenamtlichen Wikipedia-Autor*innen. Mit im Schnitt über 50.000 Beitragenden jeden Monat allein in der deutschen Sprachausgabe und einer Community von etwa 6.000 aktiven Autor*innen ist Wikipedia das größte digitale Ehrenamtsprojekt in Deutschland. Wikimedia Commons und Wikidata sind weitere Beispiele digitaler Ehrenamtsprojekte.

Weitere Forderungen für eine zeitgemäße Ehrenamtsförderung finden Sie in unserem Politikbrief Herbst/Winter 2022.