Mitgliedschaft/WikiversumAusgabe0216

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Das Wikiversum bietet vierteljährlich Einblick in jeweils eine einzelne Facette des breiten Themas Freies Wissen. Alle Themen und Ausgaben gibt es im Archiv.



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Die Welt spricht Wikidata

Wikipedianer schreiben gemeinsam Artikel für die Oriya-Wikipedia. Oriya ist eine der 22 Nationalsprachen Indiens und wird von 33 Millionen Menschen gesprochen. Foto:Motiur_Rahman_Oni, CC BY-SA 4.0

Es gibt so gut wie nichts, was nicht in der Wikipedia steht. Zu scheinbar allem findet sich ein Artikel – könnte man denken. Aber dem ist nicht so: Zwar umfasst die deutschsprachige Version der freien Enzyklopädie knapp zwei Millionen Artikel, aber in vielen anderen Sprachversionen sind es weitaus weniger.

Die Wikipedia in portugiesischer Sprache verfügt zum Beispiel nur über rund 920.000 Artikel, die ukrainischsprachige über etwa 600.000 und auf Tschechisch gibt es rund 350.000 Artikel. Bei Sprachen, die von verhältnismäßig wenig Menschen oder vorwiegend in Weltregionen gesprochen werden, in denen flächendeckender Zugang zum Internet fehlt, sind es noch weit weniger. So umfasst die Wikipedia auf Hindi bei 370 Millionen Muttersprachlern nur etwas mehr als 100.000 Artikel, auf Zulu, einer afrikanischen Sprache mit 26 Millionen Sprechern, sogar nur knapp 900.

Einer der Gründe für diese großen Unterschiede zwischen den Wikipedia-Sprachversionen: Die Freiwilligen, die die Wikipedia-Artikel verfassen, agieren in einigen Regionen der Welt unter schwierigen Bedingungen. Die Übertragungskosten für Daten sind in vielen afrikanischen, asiatischen oder südamerikanischen Ländern zum Beispiel relativ hoch, so dass die Nutzerinnen und Nutzer dort versuchen, nur wenig Zeit im Internet zu verbringen. Viele Autorinnen und Autoren in diesen Ländern verfassen ihre Beiträge zudem nicht in ihrer Muttersprache, sondern in der jeweiligen Bildungssprache, etwa auf Englisch, Französisch oder Spanisch. In den Wikipedia-Versionen auf ihrer Muttersprache stehen dann entsprechend weniger Artikel zur Verfügung.

Wikimedia Deutschland arbeitet zusammen mit der Wikimedia Foundation in San Francisco und Freiwilligen aus verschiedenen Ländern seit einigen Jahren an einem Projekt, das die Schere zwischen den Wikipedia-Sprachversionen ein Stück weit zu schließen vermag. Es heißt Wikidata und ist eine Datenbank, die nach dem Prinzip der Wikipedia funktioniert. Das bedeutet, dass alle Nutzer Objekte in Wikidata erstellen, sie mit Daten befüllen oder mit anderen Objekten verknüpfen können.

Diese Karte zeigt für jedes Wikidata-Objekt, das einem geographischen Ort zugeordnet wurde, einen Pixelpunkt. Das Objekt zu Frankfurt am Main ist auch darunter. (Stand: April 2016) Grafik:Addshore, CC0


Frankfurt auf Hindi?

Wikidata-Objekte kann es wie Wikipedia-Artikel zu allen möglichen Lebensbereichen geben. Im Objekt zu Frankfurt am Main sind zum Beispiel die Informationen enthalten, dass es sich um eine deutsche Großstadt im Bundesland Hessen handelt, die Ende des Jahres 2014 717.624 Einwohner hatte, an einem Gewässer namens Main liegt, am 22. Februar 794 erstmals urkundlich erwähnt wurde und dass Peter Feldmann seit 2012 ihr Bürgermeister ist. All diese Daten haben Freiwillige recherchiert und in Wikidata eingetragen.

Datenobjekte wie das zu Frankfurt am Main kommen direkt der Wikipedia zugute. Denn während sich in der deutschsprachigen Wikipedia schnell Autorinnen und -Autoren finden, die die Informationen im Artikel zu Frankfurt am Main auf dem neuesten Stand halten, wird derselbe Artikel in der Wikipedia auf Hindi wahrscheinlich nicht so häufig aktualisiert. Informationen wie die oben genannten können deshalb schnell veralten. Umgekehrt verhält es sich genauso: Auch die Wikipedia-Aktiven in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügen bei Artikeln zu Themen aus anderen Ländern nicht immer über jede aktuelle Information und müssen sie oft in mühsamer Kleinarbeit recherchieren.

Mit Wikidata können Wikipedia-Autorinnen und -Autoren weltweit diesen Aufwand vermeiden. Daten, die einmal in Wikidata eingetragen wurden, können von allen Wikipedia-Sprachversionen genutzt werden, so dass Daten wie etwa die zu Frankfurt am Main nicht in jeder Sprache einzeln eingetragen und gepflegt werden müssen. Vorausgesetzt, der jeweilige Wikipedia-Artikel ist mit Wikidata verbunden, erscheinen alle gewünschten Daten aus der Datenbank direkt im Artikel.

Nigel Shadbolt, Lydia Pintscher, Markus Manske und Tim Berners Lee (v.l.n.r.) bei der Verleihung des Open Data Publisher Awards Ende 2014 in London. Foto:Open Data Institute Knowledge for Everyone, CC BY-SA 2.0


Wikidata jenseits der Enzyklopädie

Doch nicht nur die verschiedenen Wikipedia-Sprachversionen können auf Wikidata zugreifen. Auch das freie Medienarchiv Wikimedia Commons ist mit der freien Datenbank verknüpft und bezieht aus ihr seine Informationen zu Künstlerinnen und Künstlern. Da Wikidata, genau wie die Wikipedia, ein offenes Projekt ist, können externe Anwendungen, die nicht aus dem Wikimedia-Universum stammen, ebenfalls darauf zugreifen. Das Projekt Histropedia nutzt zum Beispiel die Daten aus Wikidata, um historische Ereignisse zu visualisieren. Der Buchkatalogisierungs-Service Inventaire bezieht seine Daten zu Titeln sowie zu Autorinnen und Autoren aus Wikidata und die Frankfurter Allgemeine Zeitung griff kürzlich auf Wikidata zurück, um auf ihrer Website die Geschichte der Oscars zu illustrieren. Auch gesamtgesellschaftlich kann das Projekt wirken: Letztes Jahr nahm die Produktmanagerin von Wikidata, Lydia Pintscher, am World Health Summit teil, um zu erklären, wie die Datenbank im weitesten Sinne für die Verbesserung der weltweiten Gesundheit genutzt werden kann. Die Diskussion mit Vertretenden verschiedener Universitäten und Institutionen zeigte, dass der Einsatz freier Daten in diesem Bereich heiß diskutiert und baldmöglichst umgesetzt werden soll.

Das Potential von Wikidata erkannte auch das Open Data Institut, das von Tim Berner Lee ins Leben gerufen wurde, einem der Gründerväter des World Wide Webs. Es verlieh Wikidata im Jahr 2014 den Open Data Publisher Data Award, weil das Projekt “viele Daten zu sehr vielen Themen” bereitstelle und in einem offenen Prozess entwickelt werde. Auch der Innovationswettbewerb “Deutschland - Land der Ideen” zeichnete Wikidata letztes Jahr aus, weil das Projekt helfe, die in der Wikipedia verfügbaren Informationen aktuell zu halten.

Trotz aller Möglichkeiten und Auszeichnungen wird es zwar auch mit Wikidata weiterhin Wissen geben, das nicht in der Wikipedia enthalten ist. Dem Ziel, mehr Menschen, mehr Zugang zu mehr Wissen zu ermöglichen, kommt Wikimedia Deutschland mit Wikidata aber ein gutes Stück näher.

Möchten Sie mehr über Wikidata erfahren? Machen Sie eine Tour und lernen Sie, wie die freie Datenbank im Einzelnen funktioniert: Wikidata:Touren

Rückblick auf die 18. Mitgliederversammlung

Blick in den Galionsfigurensaal des Altonaer Museums während der 18. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland. Foto:Wikimedia Deutschland, CC BY-SA 4.0

Am letzten Maiwochenende fand in Hamburg die 18. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt. Die Frühjahrsausgabe der Veranstaltung wurde dieses Mal vom Altonaer Museum beherbergt – in ganz besonderer Atmosphäre: Die versammelten Mitglieder wurden im Galionsfigurensaal vom Vorsitzenden des Präsidiums, Tim Moritz Hector, tatsächlich unter den Augen zahlreicher historischer Schiffsfiguren begrüßt. Im Anschluss an die Veranstaltung gab es auch die Möglichkeit, an einer Führung durch das Museum teilzunehmen.

Inhaltlich stand die Mitgliederversammlung im Zeichen einer Neuerung: Zum ersten Mal wurde das Format des so genannten “World Cafés” für inhaltliche Diskussionen über die Arbeit des Vereins genutzt. An verschiedenen thematischen Tischen tauschten sich Fördermitglieder, aktive Mitglieder, Mitarbeitende aus der Geschäftsstelle sowie Mitglieder des Präsidiums aus. Damit erfolgte zugleich der Startschuss zur Jahresplanung 2017. In vier Runden stellten Mitarbeitende und Mitglieder des Präsidiums an jedem Tisch kurz vor, wie etwa die Gewinnung neuer Aktiver für die Wikipedia angegangen werden kann, was der Verein in der Software-Entwicklung vor hat oder was er mit politischer und rechtlicher Arbeit bewegen will.

Das Format führte zu vielen inhaltlichen Rückfragen und Einblicken und kam bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut an. Die vollständigen Ergebnisse können auf der zentralen Seite zur Jahresplanung nachgelesen werden. Sie fließen anschließend in den Jahreskompass 2017 ein, den das Präsidium von Wikimedia Deutschland Mitte Juni beschließt.

Die nächste Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland findet am letzten Novemberwochenende in Berlin statt. Die Einladung erhalten alle Mitglieder des Vereins im Oktober.

Protokoll der 18. Mitgliederversammlung (Passwort: wmdemv2010)

Informationen zur Jahresplanung 2017 von Wikimedia Deutschland


Aktuelle Veröffentlichungen

Tätigkeitsbericht 2015

„Stell dir eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit Jedem frei zugänglich ist.“ Das ist die geteilte Vision der internationalen Wikimedia-Bewegung. Was Wikimedia Deutschland im vergangenen Jahr unternommen hat, um der Vision ein Stück näher zu kommen, ist im aktuellen Jahresbericht festgehalten. 2015 war ein ereignisreiches Jahr für den Verein: Wikidata, Panoramafreiheit und freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources = OER) waren dabei nur einige Großprojekte, für die wir uns eingesetzt haben. Damit jeder nachvollziehen kann, welche Projekte Wikimedia Deutschland mit den Spendengeldern 2015 finanziert hat, haben wir unsere Aktivitäten im Jahresbericht zusammengefasst und Highlights noch einmal aufbereitet. Hier kann der Bericht kostenlos heruntergeladen werden

Lizenzhinweisgenerator

Mit derzeit fast 32 Millionen frei und kostenlos nutzbaren Dateien ist Wikimedia Commons weltweit die größte Sammlung ausschließlich freier Medien. Creative-Commons-Lizenzen beschreiben dabei, in welchem Umfang diese freien Inhalte genutzt werden dürfen. Denn auch außerhalb der Wikipedia können diese Dateien verwendet und teilweise sogar verändert werden, etwa um Bloginhalte, Flyer oder Poster zu illustrieren. Seit März ist die Nutzung dieser Bild-, Ton- und Video-Inhalte nun bedeutend einfacher geworden. In vier einfachen Schritten stellt der Lizenzhinweisgenerator alle relevanten Lizenzinformationen zusammen und liefert einen Lizenzhinweis, der einfach kopiert werden kann. Hier geht es zum Lizenzhinweisgenerator


Veranstaltungen

Wikimedia Deutschland führt regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen rund um Freies Wissen durch, zu denen Interessierte herzlich eingeladen sind. Darüber hinaus unterstützt der Verein auch Treffen, bei denen Freiwillige beispielsweise gemeinsam an Wikipedia-Artikeln schreiben. Folgende Veranstaltungen könnten für Sie in nächster Zeit interessant sein:


16. Juni | Das ABC des Freien Wissens – der Wikimedia Deutschland Salon

Unter dem Motto L=Liquid Lobbying. Welche Formen neuer Interessenvertretung erobern Brüssel? wird in der zwölften Ausgabe des Wikimedia-Salons diskutiert, was neue Formen der Interessenvertretung, etwa die Wikimedia-Lobbygruppe, für demokratischere Entscheidungs- und Gesetzgebungsprozesse auf EU-Ebene bewirken können.

Gäste:
Dimitar Parvanov Dimitrov, Wikimedian in Brussels, Free Knowledge Advocacy Group EU
Dr. Joachim Bühler, Mitglied der Geschäftsleitung Politik & Wirtschaft, Bitkom e. V.
Daniel Freund, Head of Advocacy EU Integrity, Transparency International
Video-Interview-Aufzeichnung mit Jan Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen Europafraktion

Moderation:
Philip Banse, Journalist

Der Salon findet ab 19 Uhr in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland statt, Tempelhofer Ufer 23-24, Berlin. Er kann auch als Livestream und später als Video im Internet mitverfolgt werden: Das ABC des Freien Wissens


Juni und Juli | Einführung in die Wikipedia

Die Wikipedia sucht neue Autorinnen und Autoren. Für alle, die bei ihren ersten Schritten in der freien Enzyklopädie die Hilfe und den Rat erfahrener Wikipedianerinnen und Wikipedianer in Anspruch nehmen oder zunächst ganz grundlegend erfahren möchten, wie die Arbeit in der Wikipedia funktioniert, bietet die Wikipedia-Community an verschiedenen Orten in Deutschland regelmäßig kostenlose Sprechstunden und Einführungskurse an.

30. Juni | Wikipedia-Sprechstunde in der SLUB Dresden

30. Juni | 1. Wikipedia-Workshop im WikiMUC München

07. Juli | Wikipedia-Sprechstunde in den Bücherhallen Hamburg

10. Juli | Einführungskurs und Editierworkshop in der Stadtbibliothek Stuttgart


16.- 18. September | Wikicon Region Stuttgart

Einmal im Jahr findet die Wikicon statt, das größte Treffen von Wikipedia-Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum. Auf dem Programm stehen Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen rund um die Arbeit in der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten. Sie wird von, mit und durch Wikipedianerinnen und Wikipedianer gestaltet und hält in diesem Jahr spezielle Angebote für neue Autorinnen und Autoren bereit. Mehr Informationen und Anmeldung unter Wikipedia:WikiCon 2016


Einen Überblick über alle Veranstaltungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender. Daneben gibt es in über 50 deutschen Städten regelmäßig stattfindende Stammtische der Wikipedianerinnen und Wikipedianer. In geselliger Runde werden dort die aktuellen Entwicklungen besprochen und der neueste Klatsch aus der Community berichtet. Auch wer neu bei der Wikipedia ist, kann sich hier Ratschläge holen und Kontakte knüpfen. Ort und Zeit der Stammtische in der Übersicht


Wikipedia und Wikimedia: Vom offenen Projekt zur offenen Gesellschaft

Wikipedia ist mehr als eine Website. Sie ist Teil unseres Alltags geworden. Millionen Menschen lesen die freie Enzyklopädie, tausende arbeiten täglich ehrenamtlich mit. Sie verändern, korrigieren oder ergänzen Artikel in fast allen Sprachen der Welt – frei zugänglich und frei nutzbar. Wikimedia Deutschland unterstützt die Menschen hinter Wikipedia und ihre Ideen. Wir fördern Infrastruktur, Treffen oder Workshops. Wir vergeben Stipendien, ermöglichen Projekte und bieten technische Hilfe an. Wikimedia Deutschland fördert aber auch den Grundgedanken jenseits der Enzyklopädie: Unser Ziel ist es, dass Freies Wissen Teil unseres Alltags wird. Wir wollen, dass kollaboratives Lernen mit frei nutzbaren Inhalten in Klassenräumen und Hörsälen selbstverständlich wird. Wir wollen, dass diese Art zu arbeiten kein gesellschaftliches Nischenthema bleibt. Wir überzeugen Museen, Wissenschafts- und andere Kulturinstitutionen davon, ihre Inhalte als Vorreiter freizugeben. Wir fordern sichere gesetzliche Rahmenbedingungen dafür, dass Projekte wie Wikipedia auch in Zukunft entstehen können. Hinter diesen Zielen steht die klare Überzeugung, dass sich Freies Wissen nicht auf einzelne Themenfelder begrenzen lässt. Und deshalb ist Wikimedia auch weltweit aktiv: Alle Wikimedia-Projekte werden von der gemeinnützigen Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco, USA, betrieben. Über 40 unabhängige Länderorganisationen unterstützen die Wikimedia-Projekte vor Ort. Als gemeinnütziger Verein ist Wikimedia Deutschland die älteste und größte Länderorganisation.





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