Wikimedia Deutschland fordert: Keine Hintertüren in Verschlüsselungstechnologien

Berlin, 25. Juni 2021 – Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen fordert Wikimedia Deutschland die Bundesregierung dazu auf, die noch im Entwurfsstadium befindliche „Cybersicherheitsstrategie Deutschland 2021“ grundlegend zu überarbeiten. In einem Offenen Brief empfehlen sie, die Strategie entweder gar nicht mehr in dieser Legislaturperiode zu beschließen oder zumindest problematische Teile daraus zu streichen.

„Dass Cybersicherheit wichtig ist, steht außer Zweifel“, so John Weitzmann, Leiter Politik und Recht und Syndikus bei Wikimedia Deutschland. „Aber eine Aufweichung von Verschlüsselungstechnologien, wie im aktuellen Entwurf der Cybersicherheitsstrategie beschrieben, führt zu einer größeren Unsicherheit im Netz. Auch wenn dies der Strafverfolgung sicherlich helfen würde, hilft es zugleich auch allen Cyberkriminellen und allen anderen, die in die Übertragung im Netz eingreifen wollen. Der Rechtsstaat muss der Versuchung widerstehen, gesetzlich den Einbau von Hintertüren in Verschlüsselungstechnologien zu erzwingen, sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene.“

Wie alle technisch aktuellen Internetsysteme arbeiten auch die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte mit verschlüsselter Übertragung von den Servern auf die Endgeräte der Nutzenden. Nur dadurch lassen sich einige der relevantesten digitalen Angriffstypen unterbinden, bei denen beispielsweise abgerufene Inhalte irgendwo auf dem Übertragungsweg mitgelesen oder sogar verändert werden.

In einigen Staaten versuchen zudem die jeweiligen Regierungen, Wikipedia und andere Plattformen technisch zu zensieren. Verschlüsselte Übertragungswege sind hier oft der einzige Schutzmechanismus: Dank des durch Verschlüsselung gesicherten Übertragungsprotokolls HTTPS, das bei der Wikipedia eingesetzt wird, können solche Staaten die Enzyklopädie nur insgesamt blockieren, wie unter anderem in China und der Türkei schon geschehen. Ein solcher genereller Block erregt jedoch Aufsehen, sodass betreffende Regierungen sich zumindest vor aller Welt exponieren müssen, wenn sie technisch gegen Freies Wissen vorgehen wollen.